Fast 2.000 Soldaten waren in Bosnien im Einsatz

Die rot-weiß-rote Fahne wird zum letzten Mal eingeholt: Das österreichische Bundesheer beendet nach fünf Jahren seine Beteiligung an der internationalen Friedensmission in Bosnien-Herzegowina.
Das österreichische Bundesheer beendet nach fünf Jahren seine Beteiligung an der internationalen Friedensmission in Bosnien-Herzegowina. Die offizielle Abschluss-Zeremonie für die österreichische Komponente AUSLOG-SFOR an der NATO-Mission (Austrian Logistics/Stabilization Force) fand am Freitag zu Mittag in Wien-Stammersdorf statt. Österreich beteiligte sich laut Bericht des "Kommandos für österreichische Einsätze" mit insgesamt 1.988 Soldaten an dem Bosnien-Einsatz.
Der NATO-Rat in Brüssel hatte im Dezember 1995 die Entscheidung getroffen, den ersten "out of area" Einsatz der Allianz in Bosnien-Herzegowina zu installieren. Die Aufgabe der NATO bestand hauptsächlich darin, die Umsetzung des Friedensvertrages in Bosnien zu überwachen. Der Implementierungsplan der Mission sah am Beginn rund 60.000 Soldaten aus 16 NATO-Ländern und 16-Nicht-Mitgliedern, u. a. Russland, vor. Hinzu kam ziviles Personal. Nach und nach wurde das internationale Kontingent reduziert, um Kapazitäten für andere Missionen frei zu bekommen.
Der Bosnisch-Kroatisch-Serbische Krieg dauerte von 1991 bis 1995. Die Kroaten und Moslems in Bosnien-Herzegowina erklärten im Oktober 1991 ihre Loslösung von Jugoslawien, worauf es in Kroatien und vor allem in Bosnien-Herzegowina zu einem erbitterten Bürgerkrieg kam. Nach der Anerkennung Bosniens als souveräner Staat durch die Europäische Union und die USA riefen die bosnischen Serben eine "Serbische Republik Bosnien und Herzegowina" aus. Die serbisch kontrollierte jugoslawische Armee belagerte die bosnische Hauptstadt Sarajewo, worauf die UNO Sanktionen über das serbisch-montenegrinische Restjugoslawien verhängte. Mit so genannten ethnischen Säuberungen versuchten alle Konfliktparteien, vollendete Tatsachen für einen späteren Friedensschluss zu schaffen.
Der serbische Führer Restjugoslawiens, Slobodan Milosevic, gab schließlich dem immer stärker werdenden internationalen Druck nach und entzog den bosnischen Serben seine Unterstützung. Ende 1994 konnten NATO- und UNO-Friedenstruppen die Einnahme der UNO-Schutzzone Bihac, Gorazde und Srebrenica durch die bosnischen Serben nicht verhindern. Im Auftrag der UNO flogen daraufhin die NATO-Luftstreitkräfte zahlreiche Angriffe auf Stellungen der bosnischen Serben.
Am 22. November 1995 kam es schließlich in Dayton (USA) zum Abkommen eines Friedensabkommens, das Bosnien als einheitlichen Staat, bestehend aus einer Muslimisch-kroatischen Föderation und einer Serbischen Republik, vorsah. Präsident und Parlament wurden 1996 unter internationaler Aufsicht gewählt.
Eine internationale Friedenstruppe unter dem NATO-Kommando eines US-Generals überwachte die Einhaltung des Waffenstillstandes. Am 6. Dezember 1995 wurde Österreich von der NATO aufgefordert, Kapazitäten für die IFOR (Implementation Force) bereit zu stellen, die Ende 1996 in SFOR (Stabilization Force) umbenannt wurde, zur Verfügung zu stellen. Durch eine Ministerweisung wurde am 15. Dezember auf österreichischer Ebene grünes Licht für den Einsatz des österreichischen Bundesheeres in Bosnien gegeben.
Zwischen 1996 und Anfang 2000 schwankte die österreichische Totalstärke zwischen 180 und 250 Soldaten. Insgesamt kamen 1.988 Bundesheer-Soldaten zum Einsatz. Zehn Kontingentrotationen wurden durchgeführt. Schwerpunkt des Aufgabenbereichs war der Transporteinsatz, wobei 461.900 Tonnen Güter aller Art befördert wurden. AUSLOG war zusammen mit dem belgischen, luxemburgischen und griechischen Kontigent in Visoko bei Sarajewo stationiert (Beluga-Camp), 1998 wurden Belgier und Luxemburger von den Bulgaren abgelöst. 1999 wurde der AUSLOG-Transportzug in die deutsche GEKON-Logistikeinheit in Rajlovac eingegliedert.
Der österreichische Ministerrat beschloss am 6. Juni 2000, die Bosnien-Mission aufzulösen. Österreich beendet damit nach fünf Jahren am Freitag offiziell seine Beteiligung an der NATO-Mission AUSLOG/SFOR in Bosnien. Mit Beendigung von AUSLOG-SFOR befinden sich laut Verteidigungsministerium weiterhin mehr als 1.100 österreichische Soldaten in 15 Auslandsmissionen im Einsatz.
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