NEWS: Grünen-Chef für Haider-Plakate "dankbar"

Der Grüne Spitzenkandidat für die Wien-Wahl, Christoph Chorherr, im NEWS-Interview über die Freiheitlichen, ihre Wahlwerbung und die Chancen auf einen Sieg.
news: Ihre überraschendste Mitbewerberin heißt Jörg-Haider-Helene-Partik-Pablé. Grund zum Zittern?
Chorherr: Dieses Plakat, in dem Jörg drauf, aber Helene drin ist, mutet rührend an. Die darin gestellte Frage - "Partik-Pablé oder Rot-Grün" - zeigt eine Alternative auf, die hoffentlich von vielen richtig beantwortet wird.
news: Die FP arbeitet Ihnen zu?
Chorherr: Die ganze Bundesregierung arbeitet uns zu. Wir sind für dieses kuriose FPÖ-Plakat sehr dankbar, zeigt es doch klar und deutlich auf, dass Grün die einzige Alternative zu Schwarz-Blau ist. Rot kennt jeder seit Jahrzehnten. Wir als Grüne werden aber als Player sogar von den Blauen ins Spiel gebracht. Es wurde erkannt, dass wir in Wien erstmals die Chance haben, grüne Visionen zu verwirklichen. Davor haben die Blauen Angst. In Ihrer Schlussoffensive sehen sie in uns Gegner, und wir werden alles tun, um uns als Antipode zur FPÖ darzustellen.
news: Nehmen Sie sich da nicht zu wichtig?
Chorherr: Im Gegenteil. Endlich können wir unsere klare Abgrenzung zum widerlichen Antisemitismus betonen, den Haider und Co auch in diesen Wahlkampf hineingetragen haben. Wir können nun den ach so liberalen Anhängern des Peter Marboe zeigen, dass an der Spitze der Republik ein
feiger Kanzler Schüssel steht, der zu Haider schweigt und schweigt. Unsere Chance besteht darin, dass die FP deutlich verliert. Was wir brauchen, ist eine hohe Wahlbeteiligung.
news: Mobilisieren Haiders Variationen zu Ariel nicht einschlägige FP-Klientel?
Chorherr: Wenn das so ist, dann sind wir die Partei, die demokratisches Aufbegehren formuliert. Wir wehren uns gegen diesen Antisemitismus und gegen die immer offener zutage tretenden antiislamischen Tendenzen. Diesen widerwärtigen Entwicklungen muss eine Grenze gesetzt werden.
news: Hat Ihnen Van der Bellen die Latte nicht sehr hoch gelegt, als er sagte, alles unter 12 Prozent wäre eine Enttäuschung?
Chorherr: Unser Wahlkampf läuft phantastisch. Die Stimmung ist so gut wie nie zuvor. Da juckt es einen halt, die Latte sehr hoch zu legen. Ich bin Realist und sage: Zweistellig ist gut, je höher zweistellig, desto besser.
news: Elf Prozent wären eine Enttäuschung für Sie?
Chorherr: Sicher keine Enttäuschung, sondern ein tolles Ergebnis. Das wären fast 50 Prozent mehr als beim letzten Mal.
news: Gerüchte prophezeien Ihre baldige Ablöse als Grünen-Chef. Chorherr: Ausgestreut werden sie von einer derangierten Sozialdemokratie und einer durch den Wahlkampf stolpernden ÖVP. Sie entbehren jeder Grundlage. Wir sind geschlossener als je zuvor.
news: Wie realistisch ist eine Koalition mit der SPÖ?
Chorherr: Ich strebe, wie jeder weiß, eine grüne Regierungsbeteiligung an. Kommt es nicht dazu, dann sind wir eine gestärkte Opposition mit mir als Klubobmann. Ich weiß natürlich, dass hinter den Kulissen längst zwischen SP und VP verhandelt wird. Aber zum Old-Boys-Network Häupl-Görg-Nettig sind wir die überzeugendere Alternative.
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