Freitag, 16. März 2001

,Den Sieg genießen und schweigen'

Sein deklariertes Wahlziel: 20 Prozent der Stimmen. Der ÖVP-Spitzenkandidat Bernhard Görg spricht im NEWS-Interview aber auch über (un)echte Mitbewerber:

NEWS: Herr Vizebürgermeister, was sagen Sie zu Jörg Haider im Wiener Wahlkampf?

Görg: Dazu kann ich nur den Kopf schütteln. Die Plakatierung eines Kärntner Landeshauptmannes im Wiener Gemeinderatswahlkampf ist pure Wählertäuschung.

NEWS: Die FPÖ investiert in diesen Wahlkampf 120 Millionen. Und die ÖVP?

Görg: Wir haben dem zwar finanziell nur 25 Millionen, inhaltlich aber eine viel zukunftsträchtigere Programmatik entgegenzusetzen. Wenn die FPÖ so viel Geld in einen Wahlkampf investieren kann, wird das die teuerste Wahlniederlage aller Zeiten.

NEWS: Die Umfragen bescheinigen der FPÖ eine Trendumkehr und einen Zuwachs auf 21, 22 Prozent.

Görg: Um das als Erfolg zu feiern, muss man schon sehr bescheiden sein - zumal die FPÖ beim letzten Mal 28 Prozent der Stimmen hatte. Wenn man einen Absturz um sieben Prozent als Erfolg wertet, soll mir das recht sein. Für mich ist das ein absoluter Misserfolg. Ein völliges Debakel.

NEWS: Ihnen prophezeien die Demoskopen ein Ergebnis von plus/minus 20 Prozent .

Görg: .. was einem Zugewinn von fünf Prozent oder 25 Prozent mehr Wählerstimmen entspräche. Als Juniorpartner der Wiener Koalition wäre das für die ÖVP ein riesiger Erfolg. Noch mehr Prozente wären mir freilich noch um einiges lieber.

NEWS: Ihr deklariertes Wahlziel wären 20 oder mehr Prozent?

Görg: Dabei bleibt es. Das ist mein erklärtes Wahlziel.

NEWS: Was bedeutet der FPÖ-Wechsel von Kabas zu Partik-Pablé? Kostet er die ÖVP Stimmen?

Görg: Das bedeutet, dass die FPÖ auch weiterhin ganz tief unten dahingrundelt - die Kurzzeitspitzenkandidatin Partik-Pablé milderte die Tiefe des FPÖ-Schlamassels nur ganz wenig. Partik-Pablé spielt die gleichen Themen wie Kabas mit genau dem gleich falschen Zungenschlag. An dieser ausländerfeindlichen und emotional belasteten Politik hat sich gar nichts geändert. Die FPÖ macht uns vor, sie würde die Nullzuwanderung in Wien einführen. Aus guten Gründen hat aber die Bundes-FPÖ einer höheren Zuwanderungsquote schon zugestimmt. Das ist Beweis genug, wie sehr die FPÖ mit gezinkten Karten spielt.

NEWS: Was sagen Sie zu Haiders Aussagen über Ariel Muzicant?

Görg: Obwohl ich mit der Haltung Muzicants in der Restitutionsfrage selbst ein Problem habe, gibt es für diese Aussagen des Plakat-Spitzenkandidaten keine Entschuldigung. Diese niederträchtige Argumentation schadet uns im Ausland enorm.

NEWS: Herr Vizebürgermeister, Sie haben als Einziger gegen die Bundeskoalition gestimmt, Sie kritisieren immer wieder Entscheidungen der Bundesregierung und profitieren doch vom Bonus der Kanzlerpartei. Sind Sie ein Abstauber?

Görg: Wenn dem so wäre, müsste ich ja 30 Prozent bekommen. Ja - wir profitieren vom Bundestrend, aber haben mit unserem Team - allen voran Walter Nettig und Peter Marboe - allerbeste Arbeit für Wien geleistet. Wem ich einen Sieg verdanke, soll mir letztlich egal sein: Ich genieße
ihn und schweige.

16.3.2001 10:30