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FPÖ-Kandidat Peter Schumann hat die Wiener Freiheitlichen in arge Bedrängnis gebracht: Erst nennt er die FPÖ eine "braune Partei", nun liegen FORMAT Schriftstücke vor, in denen Schumann wörtlich von einer "Judenmafia" spricht.
Peter Schumann, 54, sitzt im Rollstuhl in seinem Büro in der Wiener Laxenburger Straße und räsoniert: "Das waren die Linken. Die haben doch für jedes Haus in Wien einen Generalschüssel." Der Geruch von schwarzem Lackspray weht durch die umgebaute 60-Quadratmeter-Wohnung. Hakenkreuze sind an die Wand gesprayt, "Nazi-Sau" und "Wir kriegen dich" haben unbekannte Eindringlinge an die Wand geschrieben. "Jetzt erst recht trete ich an bei der Wiener Gemeinderatswahl", sagt er Freitag früh noch trotzig, als ihn FORMAT kurz nach Entdecken des Vandalenaktes besucht, vier Stunden später gibt Schumann seinen Rückzug bekannt.
Krise der FPÖ. Damit ist der blaue Gemeinderatswahlkampf erstmals in Stocken geraten; zuerst die mutmaßlich ausländerfeindlichen Aussagen des Wiener FP-Gemeinderats Nikolaus Amhof ("Alsergrund ausländerfrei") und nun der plötzliche Rückzug des Quereinsteigers Peter Schumann, der bereits bei seiner Antrittspressekonferenz für Furore gesorgt hatte. "Ich fühle mich in einer braunen Partei recht wohl. Ich habe kein Problem mit rassistischen und ausländerfeindlichen Themen", sagte er in die ORF-Kameras. Zynisch will er das heute gemeint haben; als Anspielung auf eine Aussage des Schauspielers Adi Hirschal, der die Freiheitlichen als "braunes Gesindel" tituliert haben soll.
Mobil im Rollstuhl. Seit einem Autounfall im Jahr 1971 ist Schumann querschnittsgelähmt. Anfang der achtziger Jahre wurde Schumann erstmals politisch aktiv und wird Präsident des Vereins Aktion Mobil, der das Behindertenmagazin "Mobil" herausbringt. Im Vorstand saßen damals unter anderen Johanna Dohnal, Marilies Fleming und Helene Partik-Pablé. "Die Frau Pablé kenne ich seit dreißig Jahren. Sie hat mich zu den Freiheitlichen geholt", berichtet Schumann.
Das Behindertenmagazin "Mobil" - Chefredakteur ist Schumann selbst - läuft anfangs hervorragend. Das Inseratenaufkommen ist üppig, Behinderte und Nichtbehinderte schreiben engagierte Artikel und decken einige Skandale auf. Doch bald tauchten die ersten Gerüchte über Schumanns seltsame Finanzgebarung auf. Mitarbeiter müssen monatelang auf Honorare warten oder werden gar nicht bezahlt.
Aids-Stecher. Auch die Blattlinie sorgt für Furore. Eduard Riha, Aktivist beim Behindertendachverband ARGE Rehab, war für zwei Jahre stellvertretender Chefredakteur von "Mobil". Als er einen Artikel über die Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose schreibt und daraufhin auf Urlaub geht, verändert Schumann hinter seinem Rücken das Titelblatt: "Mukoviszidose - ärger als Aids". Als Schumann mit "Mobil" wiederum in Konkurs geht, gründet er die nächste Unternehmung, das Favoritner Gratisblatt "Hallo Nachbar", das vor allem mit der bis heute unbewiesenen Enthüllungsgeschichte über den Favoritner "Aids-Stecher" bekannt wurde. Das Blatt hatte berichtet, daß in der Wiener U-Bahn ein Unbekannter Fahrgäste mit einer Aidsspritze infiziere.
"Judenmafia". Auch sein letztes Geschäft - die Wiederbelebung der Behindertenzeitschrift "Mobil" - scheiterte vorerst. Als Financiers wollte er - so erzählt er - eine Gruppe jüdischer Geschäftsleute engagieren, die "gegen den Herrn Muzicant waren und die bei mir inseriert hätten". Als eine Druckerei wieder einmal Gelder bei ihm einfordert, beruhigt er in einem FORMAT vorliegenden Schreiben: "Die Juden-Mafia hat mir eine a conto Zahlung von 500.000 Schilling für 1. Juli in Aussicht gestellt." Schumann dazu: "An den Begriff Judenmafia kann ich mich heute nicht mehr erinnern."
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