Rücktritt "aus privaten Gründen"

Der stellvertretende Kärntner Landeshauptmann Mathias Reichhold (43) hat völlig überraschend seinen Rücktritt erklärt. In einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz erklärte er seinen Schritt mit "privaten Gründen".
Mit Reichhold kehrt ein langjähriger Weggefährte Jörg Haiders der Politik den Rücken. Der 43-jährige Landwirt war bereits 1988 an der Seite von Heide Schmidt ins Generalsekretariat der Freiheitlichen berufen worden, wo er bis 1991 tätig war. Anschließend pendelte er stets zwischen Klagenfurt und dem Parlament.
In den Nationalrat zog der gebürtige Klagenfurter erstmals 1990 ein. Zwei Jahre später ging es zurück nach Kärnten, Reichhold folgte Haider als Landeshauptmann-Stellvertreter und "Platzhalter" wie er damals selbst formulierte. 1994 musste Reichhold auf Wunsch des damaligen FP-Chefs seinen Posten wieder räumen und wurde durch Karl-Heinz Grasser (F) ersetzt. Für Reichhold bedeutete dies die Rückkehr nach Wien. Von 1994 bis 1998 arbeitete er als Klubobmann-Stellvertreter, Agrarsprecher im Nationalrat und war Vizepräsident der Kärntner Landwirtschaftskammer. Anschließend war er im Europaparlament tätig. Dann löste Reichhold Grasser wieder ab und kehrte als Zweiter Landeshauptmann-Stellvertreter heim nach Kärnten. Mit dem großen FP-Sieg bei der Landtagswahl vor zwei Jahren stieg Reichhold am 8. April 1999 zum Ersten Landeshauptmann-Stellvertreter auf und war in der Landesregierung zuletzt für die Bereiche Wohnbau, Verkehr, Familie und Sport zuständig.
Reichhold betreibt in St. Georgen am Längsee (Bezirk St. Veit/Glan) eine Landwirtschaft. Er ist Absolvent der HTL in Wieselburg. Nach einer pädagogischen Ausbildung in Wien war er im Beratungsdienst der Kammer für Land- und Forstwirtschaft tätig. Er fungierte auch als Chef des Freiheitlichen Bildungswerkes. Reichhold ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen im Alter von 19 und fünf Jahren.
Auch Präsident des Landesschulrates tritt ab
Neben Reichhold kündigte auch der amtsführende Präsident des Kärntner Landesschulrates, Günther Harmina, seinen Rückzug an. Er wird bei einer Tagung des Landesschulrates am 21. März seine Funktion zurücklegen. Über die Nachfolge soll in den nächsten Tagen entschieden werden.
"Ich werde möglicherweise in nächster Zeit massive Absenzen haben." So begründete Harmina seinen Entschluss. Dies sei dem Amt, dem Landeshauptmann und dem Steuerzahler nicht zumutbar. Er habe seine wichtigsten Aufgaben erfüllt wie etwa den Ausbau der Vielfalt im schulischen Angebot und ein Schwergewicht auf IT-Klassen.
Besonders bedankte sich Harmina bei Landeshauptmann Jörg Haider, der ihn im Juli 1999 in diese Funktion berufen habe. "Ich habe von ihm eine ungeheure Nobilität erfahren", sagte der 60-jährige Pädagoge. Haider meinte, er müsse die Entscheidung Harminas akzeptieren, in den vergangenen beiden Jahren habe man große Erfolge bei der Entpolitisierung des Schulwesens erreicht.
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