Freitag, 16. März 2001

SP, FP, VP, Grüne und LiF rittern um Gunst der Wähler

Die fünf Spitzenkandidaten äußern sich in der Wahlkampf-Schlussphase für die Wiener Gemeinderatswahlen am 25. März profund zu kommunalpolitischen Themen. Hier die 5 Spitzenkandidaten im Überblick.

SPÖ: Michael Häupl, Bürgermeister

Wiens Bürgermeister Michael Häupl wurde am 14. September 1949 als Sohn einer ÖVP-nahen Lehrerfamilie im niederösterreichischen Altlengbach geboren. Aus dem Benediktinerkonvikt Seitenstetten wegen jener
"Aufmüpfigkeit" hinausgeworfen, die sein Vorgänger Helmut Zilk nach eigenen Worten so schätzen gelernt hat, maturierte er 1968 im Bundesrealgymnasium Krems. 1968 begann er an der Universität Wien sein Studium der Biologie und Zoologie. Während seines Studiums wurde Häupl von Josef Cap für den Verband Sozialistischer Studenten (VSStÖ) angeworben. 1983 zog Häupl in den Wiener Gemeinderat ein. Vom langjährigen Vizebürgermeister und Finanzstadtrat Hans Mayr übernahm der Umweltstadtrat schließlich am 23. April 1993 den Vorsitz der Wiener SPÖ. Von diesem Zeitpunkt an galt er als Favorit für die Nachfolge von Helmut Zilk. Offiziell wurde diese Nominierung schließlich am 5. September 1994, zwei Tage nachdem der Bürgermeister seinen schon länger erwarteten Rücktritt für den 7. November angekündigt hatte.

SP-Schwerpunkt: Bildung. Die SPÖ setzt im Wahlkampf in erster Linie auf Kritik an der Politik der Bundesregierung. Vor allem im Bildungsbereich will die SPÖ, so Vizebürgermeisterin Grete Laska, ein "Ansetzen des Sparstifts der Bundesregierung" nicht zulassen.

ÖVP: Bernhard Görg, Vizebürgermeister

Der derzeit amtierende Wiener Vizebürgermeister Bernhard Görg wurde am 9. Februar 1942 in Horn in Niederösterreich geboren. Nach der Matura am Bundesgymnasium in Krems an der Donau studierte Görg an der Universität Wien Geschichte und Latein und promovierte zum Dr.phil im Juli 1963.

ÖVP-Schwerpunkt: Wirtschaft. Die ÖVP setzt Verkehrs- und Wirtschaftsthemen in den Mittelpunkt ihres Wahlkampfes. Der Wiener ÖVP-Chef und Vizebürgermeister Bernhard Görg nannte als geplante Projekte unter anderem eine Totalumfahrung für Wien und einmal mehr den Verkauf von Gemeindewohnungen an interessierte Mieter.

FPÖ: Helene Partik-Pablé

Die 61-jährige pensionierte Richterin Helene Partik-Pable ist seit 1983 Nationalratsabgeordnete und seit über einem Vierteljahrhundert FPÖ-Mitglied. Sie wurde erst vor wenigen Tagen zur Spitzenkandidatin der Wiener FPÖ designiert, um den ein wenig angeschlagenen Wiener FP-Chef Hilmar Kabas etwas aus dem medialen Schussfeld zu bringen. Zu Höheren Weihen - etwa als Nationalratspräsidentin oder Ministerin - war sie bisher dennoch nie berufen worden. Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde die Wienerin als standhafte U-Richterin im AKH-Skandal. Für Aufsehen sorgte sie auch mit markigen Aussagen zur Ausländer-Politik.

FP-Schwerpunkt: Ausländer. Wie schon im Nationalratswahlkampf 1999 verschreibt sich die Wiener FPÖ auch in der "Schlacht um Wien" der Ausländerthematik. "In Wien leben 500.000 Ausländer - wir fordern einen Zuwanderungsstopp", sagte FPÖ-Spitzenkandidatin Helene Partik-Pable. Österreicher solle erst der werden, der zehn Jahre in Österreich lebt und einen Test mit Deutsch, Geschichte und "Lebensstil" bestehe.

Die Grünen: Christoph Chorherr

Christoph Chorherr wurde am 9. Dezember 1960 in Wien geboren. Nach Absolvierung des Gymnasiums und Studiums der Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität Wien engagierte sich der Sohn des früheren langjährigen Chefredakteurs und Herausgebers der Tageszeitung "Die Presse", Thomas Chorherr, zunächst stark auf energiepolitischem Gebiet. Von 1987 bis 1991 war Chorherr als Referent für Wirtschafts-, Energie- und Verkehrspolitik für die Grüne Fraktion im Parlament tätig.

Grüne Schwerpunkte: Umwelt und Bildung. "Öko ist bei weitem nicht out", betonte Chorherr. Top-Priorität" hat für Chorherr auch die Bildungspoltik. Es gelte, die durch den Finanzausgleich verloren gegangenen Pflichtschullehrerposten zu retten und damit Integrationsmaßnahmen, aber auch die Nachmittagsbetreuung in den Schulen zu sichern. Einsetzen will sich der Wiener Grünen-Chef auch gegen die "bornierte Wirtschaftspolitik" der Stadt.

LIF: Alexandra Bolena

Alexandra Bolena (34) ist eine Liberale der ersten Stunde: Von Anfang an war sie beim Liberalen Forum (LIF) dabei. Die Wiener Soziologin folgte im Vorjahr als Parteichefin auf Gabriele Hecht, die nach einem internen Machtkampf ihren Rücktritt bekannt gab. Alexandra Bolena wurde am 17. Juli 1966 in Wien geboren. 1993 schloss sie ihr Soziologie-Studium ab, ihr Sponsionstag fiel zufälligerweise auf den Gründungstag des LIF - den 4. Februar 1993. Nach den Nationalratswahlen 1994 begann Bolena als Sozial-, Gesundheits- und Familienreferentin im liberalen Parlamentsklub zu arbeiten.

Grundlegendes Wahlziel für die Wiener Liberalen ist das Überleben, also der Wiedereinzug in das Wiener Stadtparlament. Ein Verfehlen dieses Zieles bedeutet, dass das LIF in keinem Landesparlament mehr vertreten ist.
Das Wiener Liberale Forum versucht mit Verkehrspolitik zu punkten. LIF-Chefin Alexandra Bolena stellt die Forderung nach einer "Mobilcard". Diese solle eine Jahresnetzkarte sein und gleichzeitig 20 Prozent Ermäßigung bei Taxifahrten, Parkpickerln oder Garagenbenützung bieten.

16.3.2001 15:16