Mittwoch, 7. März 2001

Die Insel-Regierung bleibt vorerst stur

Der Streit um die Baugenehmigung über den Landsitz von Ex-Tennisstar Boris Becker könnte ein radikales Ende nehmen. Offenbar droht dem Anwesen jetzt der Abriss.

Vor kurzem noch sah es so aus, als wäre zwischen Becker und den Mallorquinern alles klar. Aber nun droht neuer Ärger. In der Lokalpresse wird dem dreimaligen Wimbledon-Sieger eine "exzessive Bauwut" vorgehalten. Vor drei Wochen hatte Becker der Chefin der Inselregierung, Maria Antonia Munar, den Aufbau einer Tennisschule auf der Balearen-Insel in Aussicht gestellt. Die Regierungschefin gab zu verstehen, dass die Baugenehmigung für die Becker-Villa an ihr nicht scheitern werde.

Die Idylle war aber nur von kurzer Dauer. Mallorcas Oppositionsführer Jaume Font behauptete nun, Beckers Anwesen sei mit 2000 Quadratmetern doppelt so groß wie bisher angenommen. Der Deutsche habe zusätzlich Wohnungen für Gäste und Bedienstete sowie Sporteinrichtungen bauen lassen. "Wozu brauchen wir einen Boris Becker als Aushängeschild, wenn wir doch einen Carlos Moya haben?", schimpfte der konservative Politiker nach Angaben des "Palma Kurier".

Der deutsche Ex-Tennis-Star hatte vor drei Jahren die Finca (Landsitz) "Son Coll" nahe der Stadt Arta gekauft. Er ließ das Hauptgebäude renovieren und erweitern. Man sprach von einer Fläche von 970 Quadratmetern. Da das Anwesen in einem geschützten Gebiet liegt, war pro Grundstück aber nur eine Baufläche von maximal 500 Quadratmetern zugelassen. Die Behörden verhängten einen Baustopp, als der Gebäudekomplex weitgehend fertig gestellt war.

Becker argumentierte, er habe vier Parzellen erworben und zu einem größeren Areal zusammengelegt. Die Gemeinde Arta änderte nach Angaben der Lokalpresse mittlerweile ihre Vorschriften so, dass sie Boris Becker eine bebaute Fläche von bis zu 1000 Quadratmetern zubilligte. Dies wurde aber von der Inselregierung bislang nicht gegengezeichnet.

Die jüngsten Berichte, wonach der Deutsche auch dieses aufgestockte Limit deutlich überschritten haben soll, sorgten nun für neuen Wirbel. "Wenn das stimmt, werden wir ein Verfahren einleiten und bis zum bitteren Ende gehen. Das bedeutet, dass die illegal errichteten Gebäude abgerissen werden", sagte Artas Bau-Stadtrat Jaume Guiscafre der Zeitung "Diario de Mallorca".

Der Streit wird immer mehr zu einer Provinz-Posse. Der Stadtrat musste einräumen, dass seine Behörde die wirkliche Größe der Bauten gar nicht kennt. "Wir waren selbst nie auf dem Grundstück. Alles ist abgeriegelt und von Sicherheitsleuten bewacht. Man lässt dort niemanden hinein."

Beckers Landsfrau Claudia Schiffer scheint dagegen den Ärger um ihr Bauvorhaben bei Andratx im Westen Mallorcas größtenteils ausgestanden zu habe. Hier hatten sich Naturfreunde dagegen gewehrt, dass das Grundstück eingezäunt und damit ein alter Wanderweg versperrt werden sollte. Das Top-Model bot an, einen neuen Spazierweg schaffen zu lassen - in größerer Entfernung zur geplanten Villa als der alte Pfad. Nun begannen die Bauarbeiten für das neuen Heim. "Den Naturfreunden bleibt das Vorhaben von Claudia Schiffer aber weiterhin ein Dorn im Auge", schreibt das "Mallorca Magazin".

7.3.2001 11:09

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