Dienstag, 6. März 2001

TV-MEDIA: Extremerfahrung als "Gottesanbeterin"

Christiane Hörbiger über ihren Image-Wandel. Über Sex, Gewalt und Rache an einer gedemütigten Frau, in ihrer Rolle in "Die Gottesanbeterin". Im TV-MEDIA-Interview spricht der Star über die Unterschiede "ihrer" Figur zum Fall Blauensteiner und die Sexszenen im Film.

TV-MEDIA: In dem Film gibt es einige sehr explizite und drastische Szenen. Wie glauben Sie, wird Ihr Stammpublikum aus Julia – Eine ungewöhnliche Frau auf die "böse" Hörbiger reagieren?

Hörbiger: Also, jemand, der auf die Christiane Hörbiger wartet, die man so gerne hat, weil sie so charmant und liebenswürdig ist, der wird sich wundern und vielleicht auch schockiert sein. Das ist nämlich sicher keine Komödie.

TV-MEDIA: Darüber hinaus gab’s wohl noch keinen Film, in dem Sie sexuell so aktiv, weil bedrängt waren wie in diesem. Ärgert es Sie nicht ein wenig, dass sich viele Medien nur auf die Sexszenen stürzen werden?

Hörbiger: Natürlich! Allein was die Bild-Zeitung in Deutschland da geschrieben hat! Ich will ja bitte nicht als alternde Gelegenheits-Prostituierte in die Geschichte eingehen! Diese Szenen transportieren keine Lust, sondern sind nötig, um zu zeigen, was diese Frau durchmacht; wie der eine Mann ihren Kopf packt und sie nach unten zu seinem Hosentürl führt. Und die einzige Liebesszene mit dem Jan Niklas im Bett, da bin ich ein paar Sekunden lang bis zum Hals zu sehen.

TV-MEDIA: Sie stellen die mehrfache Mörderin Trixi sehr, sehr realistisch, aber auch sehr sympathisch dar. Ist das nicht ein bisschen ein moralisches Problem?

Hörbiger: Ob sie sympathisch rüberkommt, das weiß ich nicht. Mir ist wichtig, dass ihre Motive nachvollziehbar sind, dass da jemand ist, der sein Leben lang nur getreten wurde und aus dem alles herausplatzt. Aber im Grunde ist sie eine ganz schreckliche Person!

TV-MEDIA: Auch wenn der Film zeitweise ein wenig abhebt – der Hintergrund scheint realistisch?

Hörbiger: Es wurde da ziemlich viel recherchiert. Und es gibt tatsächlich Frauen, die es auf pflegebedürftige, ältere Männer abgesehen haben. Diese Mischung aus Mama, Krankenschwester und ein bisserl huröses Gehabe kommt bei einigen Männern sehr gut an.

TV-MEDIA: Im Vorfeld und während der Dreharbeiten fiel immer wieder der Vergleich mit Elfriede Blauensteiner, die angeblich jetzt sogar klagen will. Gibt’s tatsächlich Ähnlichkeiten mit ihr?

Hörbiger: Überhaupt keine. Vor drei oder vier Jahren, als die Blauensteiner gerade aktuell war, hätte es mich interessiert, diese Frau zu spielen. Mich hat damals fasziniert, dass ihr offenbar die Medien-Aufmerksamkeit das Wichtigste war. Eine Kleinbürgerin, die erst morden musste, um im Mittelpunkt der Öffentlichkeit zu stehen - aber das wäre ein ganz anderer Film geworden.

Alles über den neuen Film lesen Sie im neuen TV-MEDIA. Außerdem gibt´s als Extra das 1. Julia-Fan-Maganzin.

6.3.2001 17:25

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Kino

Der Diktator

Komödie, Satire - USA, 2012

Regie: Larry Charles

Mit: Sacha Baron Cohen, Anna Faris, Megan Fox, John C. Reilly, Ben Kingsley

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