FORMAT: Mörderin identifiziert sich mit Kino-Killerin

Elfriede Blauensteiner - die "Schwarze Witwe" - erkennt und missfällt sich in einem Kinofilm: Dort spielt Christiane Hörbiger eine Männermörderin. Jetzt fordert ihr Anwalt eine einstweilige Verfügung gegen die Ausstrahlung und plant eine Millionenklage gegen die Produzenten.
Elfriede Blauensteiners huldvolles Lächeln ist gefroren – in der Frauenhaftanstalt Schwarzau im Steinfelde herrscht nervöse Spannung: Hatten sich der „schwarzen Witwe“ die Menüs der Küchenchefin Waltraud Wagner, die als Lainzer Mordschwester in die Kriminalgeschichte einging, auf den Magen geschlagen? Erst nach Tagen schüttet die siebzigjährige Blondine der Gefängnisveteranin Edith, die nur drei Zellen weiter wohnt und schon drei Jahrzehnte einsitzt, ihr Herz aus: „Es ist dieser Film – den hätten sie so nicht machen dürfen.“
Was die Laune der hinter Gittern ehrfürchtig „Mama“ gerufenen Expertin für blutzuckersenkende Arzneien so empfindlich trübt: Christiane Hörbiger spielt in dem Streifen „Die Gottesanbeterin“, der am kommenden Wochenende in den heimischen Kinos anläuft, eine männermordende Kleinbürgerin mit erbstrategischem Geschick und ausgeprägtem Hang zum Glücksspiel – und somit eine Figur, in der sich Blauensteiner eindeutig wiedererkennt und absolut mißfällt. „Ich wäre die einzige, die diese Rolle richtig verkörpern könnte. Die Hörbiger ist ja längst nicht so apart wie ich. Man hätte sie zumindest viel besser schminken müssen.“
Recht auf Mord
Regisseur Paul Harather und Produzent Helmut Grasser läßt die Kritik der inhaftierten Pensionistin vorerst kalt. „Wir erzählen die fiktive Geschichte einer Massenmörderin. Blauensteiner hat doch kein Copyright auf Mord.“ Womit das kreative Duo jedoch nicht rechnete: Blauensteiners Anwalt Elmar Kresbach sieht die Würde seiner Mandantin grob verletzt. Zum einen sei Blauensteiners Recht auf die Verwertung ihrer Biographie dahin, zum anderen würden die Geschworenen ihres unmittelbar bevorstehenden, zweiten Mordprozesses durch das streitbare Œuvre unzumutbar beeinflußt. Juristische Gegenstrategie: Der Advokat verlangt eine einstweilige Verfügung gegen die Ausstrahlung der „Gottesanbeterin“ und bastelt obendrein an einer Millionenklage gegen die Hersteller.
Parallele Psychogramme
Wie die fiktive Giftmischerin wurde auch Blauensteiner von ihrem ersten Mann systematisch tyrannisiert und entwickelte so ihren mörderischen Männerhaß. Aus dem Protokoll des Gerichtspsychiaters Gerhard Kaiser geht hervor, daß Blauensteiner von ihrem zweiten Mann regelmäßig geschlagen und betrogen wurde. Zuletzt habe ihr der angetraute Prügelpascha sogar zwei Schneidezähne ausgeschlagen.
Augenscheinlichste Übereinstimmung: Wie die Hörbiger in der schwarzen Komödie hatte auch das vermeintliche Vorbild einen fatalen Hang zum Glücksspiel. Die Filmdiva verjubelt das Erbe ihrer Gatten auf der Rennbahn, Blauensteiner verlor als Stammgast im Badener Spielcasino Unsummen.
Hauptdarstellerin Hörbiger selbst macht aus der Faszination, die Blauensteiner auf sie ausübte, auch gar kein Hehl. Am meisten habe sie an ihr die Tatsache fasziniert, daß ein Mensch so sehr im Rampenlicht und in der Öffentlichkeit stehen wolle und keinerlei Reue zeige, vertraute die Schauspielerin während der Dreharbeiten zur
„Gottesanbeterin“ einem Reporter an. Nachsatz: „Und das, obwohl Blauensteiner das fürchterlichste Verbrechen begangen hat, das es gibt – andere Menschen vorsätzlich zu töten.“
Von vorsätzlicher Tötung will Blauensteiner, die mit dem mysteriösen Ableben von fünf Menschen in Zusammenhang gebracht wird, jedoch definitiv nichts wissen. „Ich habe nur gepflegt, niemals getötet“, diktierte sie den ermittelnden Kriminalisten stereotyp ins Protokoll.
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