Heinz Sundt nicht zu beneiden

Telekom-Chef Heinz Sundt will gehen. Doch er muß ausharren, bis eine tragfähige Alternative gefunden ist: ÖIAG und Telecom Italia suchen bereits nach neuen Vorständen. Auch ein Wechsel der kompletten Führung ist nicht ausgeschlossen.
Der Generaldirektor der Telekom Austria, Heinz Sundt, ist nicht zu beneiden: Er will von sich aus gehen, denn die beiden Haupteigentümer, die Staatsholding ÖIAG und die Telecom Italia, lassen ihn im Regen stehen. Die Italiener fordern sogar recht offen seine Ablöse. Im Vorstand ist Sundt einsam, das Verhältnis zu seinen drei Kollegen mehr als frostig. Trotzdem muß der Topmanager im Amt bleiben – wenigstens noch für ein paar Wochen. Keine sehr angenehme Zeit für den Mann, der den Börsengang der Telekom ohnehin für falsch getimt hielt. Eine Aufsichtsratsitzung am vergangenen Freitag brachte ebenfalls keine Entscheidung.
Noch weniger zu lachen als Sundt haben die über 90.000 Kleinaktionäre der TA. Angesichts eines aktuellen Kurses von 6,40 Euro haben sie seit der Emission im November rund dreißig Prozent verloren. Doch sie müssen weiter auf einen Kraftakt zur Sanierung des Telefonkonzerns – oder ein Übernahmeangebot – warten.
Wilde Spekulationen
Die Gerüchte reichen jetzt vom Abgang einzelner Manager bis zum Wechsel des gesamten Vorstandes. Sogar ÖIAG-Chef und Telekom-Aufsichtsratspräsident Johannes Ditz wird als Nachfolger von Sundt ins Gespräch gebracht. Auch über die künftige Gesellschafterstruktur gibt es wilde Spekulationen. Manche Insider wollen von einer baldigen Mehrheitsübernahme durch die Telecom Italia wissen, andere im Gegenteil vom bevorstehenden Ausstieg. Die Stimmung beim Personal ist am Tiefpunkt. Die österreichischen "Volksaktionäre" sind verärgert, die internationalen Investoren erbost. Die ÖIAG läuft Gefahr, ihre bis dato gute Reputation bei Privatisierungen zu verspielen.
Die renommierte "Financial Times" nannte die TA-Emission vor ein paar Tagen "ein Schulbeispiel, wie ein Staatsunternehmen nicht privatisiert gehört". Die neuen ÖIAG-Aufsichtsräte sorgen sich schon um ihr Image, auch wenn sich Präsident Alfred Heinzel mit Aussagen offiziell zurückhält: "In der jetzigen Situation gebe ich keine Stellungnahme zur Telekom ab. Die Probleme muß der dortige Aufsichtsrat mit dem Vorstand lösen."
Gescheiterter Ditz-Plan
Sicher scheint nur: Sundt wird sich spätestens bis zum Sommer, wahrscheinlich schon im April verabschieden. Derzeit muß er im Vorstand bleiben, weil es keine tragfähige Alternative gibt. Vor zwei Wochen wollte Ditz den Marketingvorstand der Telekom, Heinz Brasic, zum General machen. Da Brasic auf einem italienischen Ticket sitzt, verlangte er im Gegenzug einen neuen Finanzvorstand seines Vertrauens. Die Telecom Italia wollte den derzeitigen Finanzchef Stefano Colombo allerdings halten, was ihr, mit Brasic als Oberboß, ein Übergewicht in der TA-Spitze beschert hätte. Das wollte wiederum Ditz nicht akzeptieren.
Mittlerweile ist auch ein Wechsel der gesamten TA-Spit-ze nicht ausgeschlossen.
Brasic könnte sein Ziel, die Nummer eins zu werden, verspätet erreichen. Gesetzt ist aber auch er nicht mehr. Gegen den früheren Nokia-Österreich-Manager besteht starke Skepsis in der Belegschaft, da ihm übertriebene Härte beim Personalabbau vorgeworfen wird. Gewerkschaftsboß Hans-Georg Dörfler schimpft: "Leute kriegen einfach einen Zettel, daß sie am nächsten Tag ihre Sachen abgeben und dann daheimbleiben sollen."
Ditz in den Vorstand?
Sundt wird daher bleiben, bis sich die Nebel gelichtet haben. Von sich aus das Handtuch werfen kann er nicht, weil ihm sonst seine finanziellen Ansprüche verwehrt bleiben: rund 20 Millionen Abgeltung für seinen noch über 4 Jahre laufenden Vertrag. Das Gerücht, Aufsichtsratspräsident Ditz selbst könnte in den Telekom-Vorstand wechseln, wird zwar lauter, ist aber nicht sehr fundiert. Gegenüber FORMAT schloß Ditz diesen Schritt kürzlich definitiv aus.
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