Zehn-Punkte-Programm abgeschlossen

Wenn Siemens-Chef Heinrich von Pierer am Montag in New York den ersten Handelstag von Siemens-Papieren an der Wall Street einläutet, zieht er einen Schlussstrich unter das Zehn-Punkte-Programm, mit dem er vor drei Jahren den Umbau des trägen Industrieriesen Siemens in Angriff nahm.
An neuen Herausforderungen mangelt es jedoch nicht - vor allem in den USA, wo Siemens mit dem Börsengang eine Währung für Zukäufe schaffen und den Bekanntheitsgrad in dem größten Markt der Welt steigern will.
Das US-Geschäft hat im vergangenen Geschäftsjahr rote Zahlen geschrieben, weshalb von Pierer die US-Präsenz von Siemens "auf den Prüfstein legen will". Verstärkung braucht der Konzern Analysten zufolge vor allem bei der Netzwerksparte ICN.
Den Börsengang nimmt die Siemens AG zum Anlass, ihr US-Engagement Einzelheiten zur "US-Business-Initiative" vorzustellen, die von Pierer auf der Hauptversammlung im Februar beschrieben hatte. Oberstes Ziel ist es nach den Worten des Vorstandschefs, in den USA effizienter zu arbeiten und die Ertragskraft zu steigern. Mit rund 75.000 Mitarbeitern hatte der Konzern im Geschäftsjahr 1999/2000 (zum 30. September) einen Umsatz von 16,2 Milliarden Euro (223 Mill. S) in den USA erwirtschaftet, aber einen Verlust von 113 Millionen Euro verbucht.
Trotz des allgemein schwachen Marktumfeldes für Technologiewerte in den USA halten Experten den Zeitpunkt für ein Listing an der Wall Street für den richtigen. "Siemens erhält dadurch eine Akquisitionswährung - je schneller, desto besser", sagte ein Analyst. Erst im Februar hatte Siemens den Kauf der US-Breitband-Firma Efficient Networks Inc für 1,5 Milliarden Dollar (1,60 Mrd. Euro/22,1 Mrd. S) angekündigt, um seine Sparte ICN zu verstärken. Analysten sehen aber weiter Nachholbedarf. "Es wird schon länger darüber spekuliert, dass Siemens in den USA mal was Größeres zukauft, um die Sparte ICN richtig voran zu bringen", sagte Theo Kitz, Analyst bei Merck, Finck & Co. Von Pierer habe aber in der Vergangenheit bei Akquisitionen eher die Stratgie "klein aber fein" verfolgt.

