Donnerstag, 8. März 2001

Yahoo-Aktie bricht nach Gewinnwarnung ein

Die Aktie des US-Internetunternehmens Yahoo! ist am Donnerstag nach einer Gewinnwarnung des Konzerns auf ihren niedrigsten Stand seit zweieinhalb Jahren abgestürzt.

Der Betreiber von Online-Portalen hatte am Vorabend nach Börsenschluss mitgeteilt, angesichts des nachlassenden Wirtschaftswachstums hielten sich die Kunden mit Werbeausgaben stärker als erwartet zurück, was das Ergebnis weiter schmälere. Zudem trete Tim Koogle als Vorstandschef zurück. Das Papier brach im frühen Geschäft an der New Yorker Technologiebörse um zwischenzeitlich mehr als 20 Prozent auf gut 16 Dollar und damit auf sein niedrigstes Niveau seit Anfang September 1998 ein. Damit notierte der einstige Börsenstar um fast 94 Prozent unter seinem bisherigen Verlaufs-Höchststand von mehr als 250 Euro zu Beginn 2000.

An der Nasdaq beliefen sich die Kursverluste auf durchschnittlich zwei Prozent. Der Dow-Jones-Index pendelte meist um seinen Vortagesschlusskurs. Die europäischen Börsen hatten zunächst gelassen auf die zweite Gewinnwarnung des Portalbetreibers reagiert, der lange Zeit als "Vorzeige-Firma" der "New Economy" galt. Die Märkte seien inzwischen an schlechte Nachrichten gewohnt und straften bei einzelnen Gewinnwarnungen nicht mehr alle Aktien ab, sagten Händler. "Wir haben von A wie Apple bis Y wie Yahoo das Alphabet an schlechten Meldungen durch, es fehlt nur noch Z und da fällt mir keine Firma zu ein", begründete ein Händler die verhältnismäßig moderate Reaktion der Märkte.

Yahoo, einst bekannt für die Einhaltung der Prognosen, hatte bereits Anfang Januar seine Vorhersagen gesenkt und nahm diese nun erneut zurück. Händler sagten, die jüngste Gewinnwarnung des Branchenführers könnte bedeuten, dass auch andere Internet- und Medienunternehmen größere Probleme bekommen könnten. "Seit unserer vorigen Prognose Anfang Jänner ist es offensichtlich geworden, dass sich die Wirtschaftsaussichten weiter verschlechtert haben. Viele Unternehmen haben ihre Ausgaben auf Gebieten wie Marketing eingefroren", sagte Yahoo-Finanzchefin Sue Decker. Yahoo, die nach wie vor von Werbung im Internet abhänge, sei durch die Zurückhaltung der Unternehmen stark getroffen worden. Vorstandschef Koogle sagte, eine große Zahl von Kunden habe die Ausgaben im Medienbereich bis zur Verbesserung der Wirtschaftsaussichten verschoben.

8.3.2001 22:13