Mittwoch, 7. März 2001

Massives Sicherheitsaufgebot soll neue Proteste verhindern

Nach dreiwöchigen Unruhen wegen Massenentlassungen hat der marode koreanische Automobilhersteller Daewoo am Mittwoch wieder die Produktion aufgenommen. In den drei Werken verlaufe alles nach Plan, teilte die Firmenleitung in der Werks-Zentrale Pupyong in der Stadt Inchon mit. Rund zehntausend um das Werk stationierte Polizisten sollten neue gewaltsame Proteste der Belegschaft verhindern.

Nach dreiwöchigem Produktionsstopp hat am Mittwoch der bankrotte südkoreanische Automobilhersteller Daewoo Motor den Betrieb in seiner größten Anlage wieder aufgenommen. Der Arbeitsbeginn in dem westlich von Seoul gelegenen Pupyong war seit dem Morgen von Protesten etwa 300 entlassener Arbeiter und ihren Familien außerhalb des Fabrikgeländes begleitet. Nach Angaben einer Unternehmenssprecherin in Seoul wurden zahlreiche Beschäftigte am Zugang zum Werksgelände gehindert. Fast 10.000 Polizisten sicherten zugleich als Schutzmaßnahme das Gelände ab.

Proteste gegen Entlassungen

Mit vorübergehenden der Stilllegung wollte der zweitgrößte Autobauer des Landes eigenen Angaben zufolge die Lagerbestände für einen Kleinwagen und zwei mittelgroße Autos reduzieren. Der Standort war in den vergangenen Wochen Schauplatz zahlreicher Proteste gegen die Rationalisierungsmaßnahmen des Unternehmens. Dabei kam es immer wieder auch zu Zusammenstößen zwischen Polizisten und Arbeitern. Seit der Ankündigung eines neuen Restrukturierungsprogramms im letzten Dezember wurden bei Daewoo Motor 6.884 von früher insgesamt knapp 18.000 Stellen abgebaut. Die Anlage in Pupyong war von den Entlassungen mit mehr als 3.500 Beschäftigten am schwersten betroffen.

Interesse seitens GM

Unterdessen wurde am Mittwoch auch das Daewoo-Werk in Changwon im Süden des Landes vorübergehend geschlossen, nachdem dort die Belegschaft teilweise aus Protest ihre Arbeit niedergelegt hatte. In der dritten einheimischen Großanlage in Kunsan wurde normal gearbeitet. Daewoo Motor wurde im November von seinen Gläubigern für zahlungsunfähig erklärt. Das Unternehmen konnte überfällige Schulden nicht mehr zurückzahlen. Für den überschuldeten koreanischen Autobauer, der eine Produktionskapazität von mehr als zwei Millionen Einheiten im In- und Ausland hat, interessiert sich General Motors (GM) aus den USA.

7.3.2001 08:29