EZB-Chef Duisenberg prophezeit Senkung

EZB-Chef Duisenberg sieht die Inflationsrate in der Eurozone kurzfristig unter zwei Prozent. In den nächsten drei bis vier Monaten in jedem Fall aber binnen Jahresfrist werde die Rate unter den Referenzwert sinken, sagte der Banker am Montag in Brüssel. Gleichzeitig bekräftigte er, dass es vorerst keine Zinsschritte der EZB geben werde.
Die durchschnittliche Inflationsrate in der Eurozone könnte nach Einschätzung von EZB-Chef Wim Duisenberg schon in drei bis vier Monaten unter die Toleranzschwelle von zwei Prozent sinken. Auf jeden Fall solle die Inflationsrate noch im Laufe dieses Jahres unter den Referenzwert fallen, sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) am Montag vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments in Brüssel. Im Januar hatte die Inflationsrate in der Eurozone 2,4 Prozent betragen nach 2,6 Prozent im Dezember.
Duisenberg sagte, mit Zinsschritten der EZB sei im Augenblick nicht zu rechnen. Erst in der vergangenen Woche hatte die Zentralbank ihren wichtigsten Leitzins bei 4,75 Prozent unverändert gelassen.
Robustes Wirtschaftwachstum im Euro-Land
Trotz der Verlangsamung des US-Wirtschaftswachstums seien bisher größere Auswirkungen auf die Euro-Wirtschaft nicht festzustellen. Er erwarte für die Eurozone für 2001 und 2002 jeweils ein Wirtschaftswachstum von "nahe an drei Prozent", sagte Duisenberg. "Es handelt sich um eine robuste Wachstumsrate."
"Das einzige Ziel, was wir erreichen möchten, ist die Beibehaltung der Preisstabilität - und das mittelfristig gesehen", sagte der EZB-Chef. Die aktuelle Inflationsrate sei nur ein Indikator zur Beurteilung. Im vergangenen Jahr hatten vor allem gestiegene Energiepreise den Preisauftrieb verstärkt. "Die Entwicklungen bei den Ölpreisen und bei den Wechselkursen waren im Januar und Februar wechselhaft", meinte Duisenberg. Die kurzfristigen Auswirkungen auf die Inflationsrate seien deshalb mit Vorsicht zu beurteilen.

