Dienstag, 6. März 2001

Musik-Fans sollen künftig andere Sites "besuchen"

Musik-Fans haben im Internet zum Boykott der Online-Tauschbörse Napster aufgerufen. Noch stehen einige Alternativen zur Verfügung, die sich schon auf den User-Ansturm freuen.

Napster hatte am Freitag angekündigt, mindestens eine Million Dateien mit urheberrechtlich geschützter Musik zu blockieren. Damit will die Online-Börse verhindern, per Gerichtsurteil geschlossen zu werden. Geklagt hatte die Musikindustrie, weil auf Napster Millionen Internet-Nutzer kostenlos Musikdateien tauschen.

Nach einer Anhörung beider Seiten arbeitet die zuständige Bezirksrichterin jetzt an einer einstweiligen Verfügung, die jederzeit die sofortige Schließung von Napster zur Folge haben könnte. Davon wäre einer Studie zufolge in Deutschland jeder zehnte Internet-Nutzer betroffen.

Der deutsche Medienkonzern Bertelsmann sieht im Online-Dateientausch eine Zukunftstechnologie für den Vertrieb seiner Produkte. Deshalb war Bertelsmann im Herbst aus der Reihe der klagenden Medienunternehmen ausgeschert und will Napster nun bis Juli in einen auf Mitgliedschaft basierenden Service umwandeln. Bertelsmann hat die anderen Unternehmen eingeladen, sich am Musikvertrieb über Napster zu beteiligen. Die großen Firmen haben dies bisher abgelehnt.

Nach Ansicht der für Napster zuständigen Bertelsmann eCommerc Group (BeCG) sind gerade die Alternativen zu Napster für die Musikindustrie problematisch. Der Tausch von Dateien über viele andere Börsen sei - im Gegensatz zu Napster - daher nicht zu kontrollieren, sagte BeCG-Sprecher Frank Sarfeld. "Es ist im Interesse der Musikindustrie, dass möglichst viele Napster-Nutzer zu Abonnenten des neuen Dienstes werden", fügte Sarfeld hinzu.

Fans von kostenloser Online-Musik haben unterdessen aufgerufen, andere Tauschbörsen als Napster zu besuchen. "Besucht die Site aimster.com", schrieb ein Nutzer unter dem Namen "smspiffnhobes". "Xaander" schrieb: "Lasst uns Napster boykottieren". Unterdessen funktionierte das Napster-Angebot wie bisher, obwohl die Firma angekündigt hatte, vom Wochenende an urheberrechtlich geschützte Lieder herauszufiltern.

6.3.2001 08:59