Mittwoch, 7. März 2001

„Ich werde in Zukunft mehr Pausen einlegen“

Der Herminator zieht seine persönliche Saisonbilanz und erzählt von seinen Plänen für das Olympia-Jahr 2001.

news: In der langen Reihe Ihrer Erfolge – wo würden Sie Ihren dritten Gesamtweltcupsieg einordnen?
Maier: Es war eine schwierige Weltcupsaison, vor allem weil mittendrin die WM stattgefunden hat und man sich dadurch nicht aus dem Rhythmus bringen lassen durfte. Außerdem sind sehr viele Rennen ausgefallen. Umso mehr bin ich überrascht, dass mir der Gesamtweltcup leichter gefallen ist als die zwei vorherigen. Ich habe mehr Saisonsiege auf dem Konto als je zuvor – das hätte ich mir am Beginn nicht träumen lassen. Obwohl einige Rennen dabei waren, bei denen ich nicht mit dem letzten Biss an den Start gegangen bin.

news: Also stimmt der Eindruck, dass Sie im Unterschied zu früher nicht mehr letztes Risiko nehmen. Taktik oder Routine?
Maier: Das hat sich einfach unbewusst so ergeben. Gott sei Dank blitzt hin und wieder meine alte Aggressivität auf, und es gelingt mir ein Lauf, der auf vollem Risiko beruht. Ich bin heuer tatsächlich einige Rennen gefahren, wo es mir wichtiger war, ins Ziel zu kommen – einfach im Hinblick auf den Gesamtweltcup. Was für die Spezialwertungen vielleicht nicht das Beste war. In Zukunft werde ich vielleicht mehr Pausen einlegen und dann beim Rennen voll ans Limit gehen.

news: Wie hält man fünf Monate lang diese Wettkampfspannung?
Maier: Das funktioniert am besten, wenn man einmal nur Vierter oder Fünfter geworden ist. Danach entwickle ich immer das richtige Wettkampffieber.

news: Was ist das Geheimnis Ihrer fast unglaublichen Konstanz?
Maier: Da ist einmal die Vorbereitung, die heuer optimal war. Ich war vor diesem Winter körperlich so gut in Schuss wie noch nie. Nur auf dieser Basis kann man eine so schwere Saison bis zum Schluss in Bestform durchstehen, ohne größere Einbrüche. Dazu gehört auch die optimale Skiwahl und, nicht zu vergessen, mein Techniktraining mit dem Andi Evers. Wir haben vor dieser Saison viel analysiert und ausprobiert und dabei sehr viel Neues herausgefunden. Im Skisport darfst du nie stehen bleiben.

news: Welche Rolle spielt der Gesamtweltcup im kommenden Olympiawinter? Oder ordnen Sie alles einem Sieg in der Olympiaabfahrt unter?
Maier: Der Gesamtweltcup ist für mich immer ein wichtiges Thema. Immerhin ist diese Trophäe die Krone einer ganzen Saison. Die bekommt nur der stärkste Rennläufer eines Winter und hat nur sehr wenig mit Glück zu tun. Über die Olympischen Spiele mache ich mir noch nicht viele Gedanken. Wichtig ist einmal, diese Saison mit guten Leistungen ausklingen zu lassen und dann eine längere Pause einzulegen als in den letzten Jahren. Natürlich wäre es etwas ganz Besonderes, im nächsten Jahr noch einmal einen Olympiasieg zu holen, egal in welcher Disziplin. Wenn’s sein muss, sogar im Slalom.

news: Welche Gegner sehen Sie überhaupt für den Gesamtweltcup im nächsten Jahr?
Maier: Ehrlich gesagt gibt’s nicht viele, die ausgeglichen eine ganze Saison lang Spitzenleistungen in verschiedenen Disziplinen bringen. Zum Beispiel waren heuer sehr unterschiedliche Schneeverhältnisse. Und ich bin mit diesen Bedingungen noch am besten zurechtgekommen. Ich hoffe, dass mir das auch im nächsten Winter so gut gelingt.

7.3.2001 14:15