Montag, 5. März 2001

6 von 10 Kugeln beim Finale in Aare noch zu vergeben

Eine Woche trennt den alpinen Ski-Weltcup noch vom Saisonende: Eine Woche, in der noch sechs von zehn Entscheidungen um Kristallkugeln offen sind, groß und klein.

Im Blickpunkt sind dabei vor allem zwei ÖSV-Läufer: Renate Götschl und Hermann Maier. In nicht weniger als fünf Entscheidungen spielen sie eine der zwei Hauptrollen - und zwar jeweils in der Rolle des Jägers.

Für Götschl geht es aber seriös gesehen "nur" noch um den Sieg im Gesamtweltcup gegen Janica Kostelic. Denn im Abfahrts- (61 Punkte hinter Isolde Kostner) und im Super G-Weltcup (83 hinter Regine Cavagnoud) sind ihre Chancen gering und die Titelverteidigerin weiß das auch. In der Gesamtwertung hat sie hingegen die besten und meisten Chancen. Sie will in Abfahrt, Super G und Riesentorlauf nicht nur ihren 39 Punkte betragenden Rückstand aufholen, sondern möglichst ausbauen. Am besten so, dass sie vor dem Slalom am Sonntag mehr als 100 Punkte Vorsprung auf Kostelic hat.

Götschl kann das am besten über die Speed-Disziplinen machen, hat aber zu viel erlebt, um nicht zu wissen, dass dafür alles passen muss. "Wunschkonzerte gibt es nicht. Bei den wechselhaften Bedingungen hier brauchst auch viel Glück mit der Auslosung und mit dem Material. Ein Fehler, und du kriegst eine auf den Deckel", weiß Götschl. Im Vorjahr hatte sie sich ihre erste große Kristallkugel ebenfalls erst beim Finale gesichert. "Natürlich wär's super, wenn es wieder klappt. Aber es ist schon toll, dass ich überhaupt um den Weltcup mitfahren kann, denn das hätte nach dem schlechten Saisonstart keiner geglaubt." Was sie ruhig macht: "Ich habe die Kristallkugel schon ein Mal gewonnen. Wenn es nicht noch einmal klappt, kann ich auch damit leben."

Schafft es Götschl, wäre mit der einzigen Kristallkugel eine durchwachsene Saison bei den ÖSV-Damen gerettet. Denn die Weltcup-Trophäen im Riesentorlauf (Nef) und Slalom (Kostelic) gehen ebenfalls bereits an das Ausland. Vor zwei Jahren hatte die Frehsner-Truppe noch alle Kristallkugeln eingeheimst, im vergangenen Jahr immerhin noch drei.

Bei den Herren will Hermann Maier jeweils aus der zweiten Position heraus die Rückstände auf Stephan Eberharter (Abfahrt) und Michael von Grünigen (RTL) gut machen. Den Gesamt- und den Super G-Weltcup hat er bereits in der Tasche. Außerdem wird in Aare zwischen Benni Raich und Heinz Schilchegger auch noch die Entscheidung im Slalom-Weltcup fallen.

Maier geht auf jeden Fall locker in die Aare-Woche. "Zwei Kugeln habe ich ja schon. Wenn es klappt, wäre es super, wenn nicht, dann kann ich auch nichts machen", macht er sich keinen Druck. Auch wenn er durchaus zugibt, dass ihm an der Riesentorlauf-Wertung einiges liegt. "Wenn man die Vorkommnisse bedenkt, wie die Disqualifikation in Val d'Isere, dann ist wohl klar, dass ich ihn schon gern gewinnen würde." Dafür bräuchte er aber wohl einen Sieg - und gleichzeitig dürfte Weltmeister "MvG" maximal Dritter werden.

In der Abfahrt hat Maier nur sechs Punkte Rückstand, "das ist praktisch nichts. Denn wer von Beiden vorne ist, hat praktisch gewonnen", weiß Maier. "Ich hoffe nur, dass die Abfahrt technisch schwerer ist und vor allem, dass es wärmer wird als in Kvitfjell, denn das war an der Grenze." Doch hat er mit Stephan Eberharter einen Gegner, der sich einen Traum erfüllen will. "Und das wäre meine erste Kristallkugel sicherlich", sagte der Tiroler, der einem Ziel schon nahe ist. "Ich habe in Kvitfjell den zweiten Platz im Gesamt-Weltcup übernommen, den will ich halten. Und außerdem wäre es ganz gut, wenn ich im Riesentorlauf in der ersten Gruppe bleibe. Das sind meine zwei großen Ziele - im Abfahrts-Weltcup will ich vorher gar nicht rechnen."

5.3.2001 10:11