Bedingungen für Rot-Grün im FORMAT-Interview

Vergangene Woche holte sich SPÖ-Parteichef Alfred Gusenbauer für sein offensives Eintreten für Rot-Grün in Wien bei Wiens SP-Bürgermeister Michael Häupl noch einen kräftigen Rüffel. Jetzt scheint es, als ob Häupl selbst noch einen unerwarteten Paukenschlag für das Finale im Wahlkampf plant:
Um besonders die jungen Wähler zu mobilisieren, könnte nun angeblich auch der Bürgermeister, so bestätigt ein Wahlkampfberater gegenüber FORMAT, offensiv für die rot-grüne Ehe nach der Wahl werben. Jetzt kommt ihm auch der bisher reservierte Grünen-Chef Alexander Van der Bellen auf halbem Weg entgegen.
Im Gespräch mit FORMAT sagt der Bundessprecher: "Natürlich wäre Rot-Grün ein innovatives Signal. Wenn jemand dieses Signal setzen will, dann muß er auch Grün wählen. Ob wir tatsächlich in die Regierung gehen, hängt vom Wahlergebnis und von den Verhandlungen ab. Ein zweistelliges Wahlergebnis wäre gleichzeitig das Signal der Wähler: Wir sind einverstanden, daß ihr mit der SPÖ verhandelt."
50:50-Chance für Rot-Grün
Die Grünen, die bei der letzten Landtagswahl in Wien acht Prozent erreichten, erwarten sich intern ein Ergebnis von zwölf Prozent. Die Chancen für Rot-Grün schätzt Van der Bellen mit fünfzig zu fünfzig ein: "Es gibt die Aufgeschlossenen in der Wiener SPÖ, die sich eine Koalition durchaus vorstellen können, und es gibt die Trägen, die sagen: Setzen wir die Regierung mit denen fort, die wir kennen, warum sollen wir irgendwelche Experimente machen. Wir sind uns bewußt, daß eine Regierungsbeteiligung kein Honiglecken wäre, weil keine Füllhörner zum Ausschenken bereitstehen."
Fortsetzung der rot-schwarzen Rathauskoalition kaum wahrscheinlich
Van der Bellen weiter: "Mir ist nur wichtig, daß das Experiment funktioniert, wenn wir es wagen. Die Anfangsprobleme, die die rot-grüne Koalition
in Deutschland hatte, brauchen wir in Österreich sicher nicht."
Einer Fortsetzung der bisherigen Rathauskoalition mit Vizebürgermeister Bernhard Görg gibt er wenig Chancen: "Die ÖVP stellt im Wahlkampf Forderungen, die sie gegenüber der SPÖ niemals durchbringt, beispielsweise den Erlös von dreißig Milliarden Schilling durch den Verkauf von Gemeindewohnungen. Das wären 30.000 bis 50.000 Wohnungen. Die ÖVP weiß genau, daß die SPÖ da nicht mitmacht."
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