Freitag, 9. März 2001

Rund 15.000 jubelnde Menschen beim Einzug

Die mexikanischen Zapatistenrebellen sind auf ihrer 3000 Kilometer langen Friedenstour triumphal in Mexiko-Stadt eingezogen. Rund 15.000 Menschen jubelten am Donnerstag Subcomandante Marcos und seinem Heer zu.

Unter "Marcos, Marcos"-Rufen hielt der Zapatistenführer eine kurze Ansprache zum internationalen Frauentag. Mit ihrer vor knapp zwei Wochen im südlichen Bundesstaat Chiapas gestarteten Tour wollen die Rebellen ihrer Forderung nach mehr Rechten für die indianische Urbevölkerung, der Schließung von Militäreinrichtungen in Chiapas und der Freilassung aller zapatistischen Gefangenen Nachdruck verleihen. Für Sonntag bereiten die Guerillaführer den Einzug ins Zentrum der Hauptstadt vor.

Der Gouverneur von Chiapas, Pablo Salazar, sagte als Zugeständnis an die Rebellen die Entlassung von 19 weiteren politischen Gefangenen zu. Die Zahl der seit Dezember auf freien Fuß gesetzten Rebellen steigt damit auf 77. Die Freilassung sämtlicher zapatistischen Gefangenen, deren Zahl auf etwa hundert geschätzt wird, ist eine der Bedingungen der Guerilla für die Aufnahme von Friedensgesprächen mit der Regierung des konservativen Präsidenten Vicente Fox. Die Rebellen fordern außerdem, dass das Parlament ein Gesetz zugunsten der indianischen Ureinwohner verabschiedet.

Marcos, der seine schwarze Wollmaske erst ablegen will, "wenn die Indianer ihr Gesicht zurückhaben", hatte in den zurückliegenden Tagen den Ton gegenüber Fox verschärft. Unlängst warnte er vor sozialen Unruhen, solange es keinen wirklichen Dialog und keine überzeugenden politischen Lösungen für die brennenden Probleme des Landes gebe. Fox' Versprechen, der indianischen Bevölkerung mehr Rechte gewähren zu wollen, sei kaum mehr als ein PR-Schachzug. Die indianischen Ureinwohner stellen mit etwa elf Millionen Menschen rund zehn Prozent der mexikanischen Bevölkerung.

Zapata, ein 1879 geborener indianischer Kleinbauer, der während der mexikanischen Revolution (1910-1920) zum General eines Volksheeres aufstieg, hatte in Morelos gegen die Großgrundbesitzer gekämpft und deren Ländereien unter den Kleinbauern verteilt. 1914 besetzte er kurzzeitig Mexiko-Stadt. Am 10. April 1919 wurde Zapata in einen Hinterhalt gelockt und ermordet.

Subcomandante Marco ist von seinem zu Beginn seines Aufstands im Jänner 1994 verkündeten Ziel einer revolutionären Umgestaltung zunehmend abgerückt. Der Guerillaführer, der selbst keine indianischen Wurzeln hat, bedient sich mehr und mehr einer messianischen Sprache, die zahlreiche Anleihen bei indianischen Märchen und Legenden macht. Beobachter sehen in der "Zapatour" 2001 denn auch vor allem einen Kampf zwischen Fox und Marcos um das bessere "politische Marketing".

9.3.2001 16:40