Freitag, 9. März 2001

Männerabteilung könnte "Männlichkeitswahn" erforschen

Viele Aktionen und Wortmeldungen gab es am heutigen internationalen Frauentag in Österreich. Während die Frauen der Oppositionspartein massive Kritik an der Regierung übten, sah sich ÖVP-Generalsekretärin gezwungen in Richtung Einkommensdifferenz zw. Männern u. Frauen was zu tun. Die deutsche Feministin Alice Schwarzer hingegen kritisierte den "Macho-Kult" in Österreich.

Die deutsche Feministin und Herausgeberin des Magazins "Emma", Alice Schwarzer, konstatiert in Österreich derzeit zwei "interessante Phänomene": Einerseits werde ein "neuer ungenierter Macho-Kult" gepflegt, etwa bei den "feschen Burschen rund um Haider", die am liebsten ohne Frauen und unter sich seien. Andererseits werde gleichzeitig von ÖVP und FPÖ versucht, mit dem "Faktor Frau" gezielt zu spekulieren. Einige Frauen, um zu zeigen, dass auch in der "Burschenpartei" Frauen mitreden könnten. "Der feministische Lack ist aber sehr dünn und durchsichtig", kritisiert sie.

Konkrete Vorschläge hat Schwarzer für die von Sozialminister Herbert Haupt geschaffene Männerabteilung: Sie könnte den "Männlichkeitswahn" erforschen, der ihrer Ansicht nach für die um durchschnittlich sieben Jahre geringere Lebenserwartung des männlichen Geschlechts verantwortlich ist. Auch eine klassische "Frauenfalle" ist für die Feministin das vor kurzem beschlossene Kindergeld in Österreich. Wenn Frauen mit einem niedrigen Fixbetrag möglichst lange zur Kinderbetreuung zu Hause animiert würden, falle der Wiedereinstieg in den Beruf immer schwerer.

Opposition: "haupt verdient Namen Frauenminister nicht"

Massive Kritik an der Bundesregierung übten am Donnerstag elf Vertreterinnen aus der Politik bzw. von Frauenaktionen. ÖVP und FPÖ machten ihrer Meinung nach nicht Politik für sondern gegen Frauen. Einhelliger Tenor: die Maßnahmen gerade der letzten Tage seien Frauen feindlich. Barbara Prammer, Vorsitzende der SPÖ-Frauen, sieht das Zeitalter der Männerförderungen angebrochen, die stellvertretende Grüne Klubobfrau Madeleine Petrovic befürchtet eine patriarchalische Gesellschaft. "Minister Herbert Haupt verdient den Titel 'Frauenminister" nicht", meinte Eva Rossmann vom UnabhängigenFrauenForum (UFF).

Rauch-Kallat präsentierte Grundsatzbeschluss

ÖVP-Generalsekretärin Maria Rauch-Kallat hat anlässlich des Frauentags einen Grundsatzbeschluss der Volkspartei zur Stärkung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit von Frauen präsentiert. Darin bekennt sich die ÖVP dazu, durch diverse Maßnahmen die Einkommensdifferenz zwischen Frauen und Männern innherhalb von zehn Jahren um ein Drittel zu verringern.

9.3.2001 12:35