Donnerstag, 8. März 2001

"Wer nicht bezahlt, stirbt..."

"Wer bezahlt, kommt frei, wer nicht zahlt, stirbt..." - dieser Entführer-Spruch und andere Zitate waren beim Prozess zu hören. Jetzt, fünf Jahre nach der Entführung des Multimillionärs Jan Philipp Reemtsma, ist der 40-jährige in Hamburg als Kopf der Kidnapper-Bande zu 14 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden.

Das Gericht verurteilte ihn am Donnerstag wegen erpresserischen Menschenraubes, entsprach damit der Forderung der Anklage und blieb nur ein halbes Jahr unter der möglichen Höchststrafe. "Drach bestimmte eigenmächtig die Modalitäten der Entführung. Das Opfer erlitt unvorstellbare Qualen, deren Folgen noch andauern", sagte Richter Dietrich Preuß in der Urteilsbegründung.

Die Haft in Argentinien von zwei Jahren und vier Monaten wurde Drach wegen der örtlichen Verhältnisse 1,2-fach angerechnet. Damit bleibt eine Gefängnisstrafe von etwa elfeinhalb Jahren "netto". Staatsanwalt Peter Stechmann sagte, er halte das Urteil für gerecht. Die Verteidigung dagegen will prüfen, ob sie in die Berufung gehen soll. Anwalt Rüdiger Spormann hatte eine Haft von etwas mehr als zehn Jahren gefordert.

Im Prozess gegen Thomas Drach um die Entführung des Hamburger Multimillionärs Jan Philipp Reemtsma ging es um Todesangst und Terror, Geldgier und Luxus. Ein spektakuläres Verbrechen im Spiegel ausgewählter Zitate:

"Sie müssen das Ganze als Geschäft sehen: Wer bezahlt, kommt frei, wer nicht bezahlt stirbt." (Geldbote Professor Lars Michael Clausen zitiert aus einem Schreiben des Reemtsma-Entführers Drach)

"Sie erleben die Luxus-Version einer Entführung." (Drach an sein Opfer)

"Vielleicht geht es nicht gut aus, vielleicht werde ich meinen Mann verlieren." (Reemtsma-Ehefrau Ann Kathrin Scheerer zu ihrer Angst während der Entführung)

"Dass Reemtsma hier heute unverletzt sitzen kann, hat er nur dem besonnenen Verhalten der Täter zu verdanken." (Drach im Prozess)

"Ich als derjenige, mit dessen Leben damals gespielt wurde, kann das nur aushalten, wenn ich die Erinnerung in mir klein halte." (Reemtsma als Nebenkläger vor Gericht)

"Wir haben unsere Sicherheit verloren und das begleitet uns bis heute." (Ann Kathrin Scheerer im Prozess)

"Für die Stunden der Angst und des Terrors, die ich über Sie und ihre Familie gebracht habe, gibt es keine Entschuldigung. Ich hoffe, dass die Verurteilung aller Täter ihnen die Ruhe gibt, das verarbeiten zu können." (Drach an Reemtsma im Gericht)

"Ich bin bereit, jede Strafe für diese Entführung anzunehmen, wenn die Haft in Argentinien im Verhältnis drei zu eins angerechnet wird." (Drach zu Prozessbeginn)

"Ich musste die Zelle auf eigene Kosten renovieren lassen." - "Ich habe Reemtsma alles Notwenige gelassen und ich hatte nicht mal ein Blatt Klopapier." (Drach zu seiner Haft in Buenos Aires)

"Ein Martyrium in einem Keller von elf Quadratmetern bezeichnet dieser Angeklagte als Luxus-Entführung, aber seine eigene Haft in einer 33-Quadratmeter-Zelle war ach so unmenschlich." (Oberstaatsanwalt Peter Stechmann)

"300.000 bis 500.000 Dollar müsste ich noch haben, ein etwa gleichgroßer Betrag liegt in einem Depot in Uruguay." (Drach zum Verbleib des Rekord-Lösegeldes von 30 Millionen Mark)

"Der Angeklagte setzt alles daran, nach seiner Haftverbüßung ein Leben in Luxus zu führen." (Stechmann)

8.3.2001 18:15