Helga Häupl vs. Eva Görg

Küsse & Kontraste: Wie die Polit-Frauen ihren Ehemännern im Wiener Wahlkampf helfen.
Zu Dekorationszwecken haben sich beide nie geeignet: Helga Häupl, 44 (Foto links), und Eva Görg, 57 (kleines Foto), sind autonome Persönlichkeiten, inbegriffliche Gegenteile hauptberuflicher Gattinnen. Im Wahlkampf aber ist manches anders. Da wird lächeln und immer nur lächeln zur Notwendigkeit: von Plakaten, von Inseraten und bei Fernsehspots, im direkten Umgang mit dem Wähler.
Sanfte Rathausfrau. Helga Häupl-Seitz, 44, hatte 1995 keine geringe Aufgabe: Es galt, Dagmar Koller im Amt der städtischen First Lady nachzufolgen. Das freundliche, kluge Gesicht ist heute längst nicht mehr nur in den Geschäften des Wohnbezirkes Ottakring geläufig.
Als Ehemann Michael, der Bürgermeister, androhte, bei Stimmenverlust vom Amt zurücktreten zu wollen, blieb sie gelassen.
Helga Häupl, 1957 geborene Seitz: Franz Jonas war Bürgermeister im tiefroten Wien. Helgas Vater war Steuerberater, die Mutter besaß ein Plattengeschäft, sie wuchs im Nobelbezirk Pötzleinsdorf auf. Das Elternhaus war tiefschwarz. Mit Karl Seitz, dem legendären Bürgermeister der Ersten Republik, ist sie weder verwandt noch verschwägert.
Vom Bürgerkind zur "AZ". Sie absolvierte Passagen des Publizistik-, Germanistik- und Psychologiestudiums und heuerte 1983 als Volontärin bei der legendären "AZ" an. Daheim im Elternhaus stand derlei Lektüre im Rang
des Familienkonflikts. Den Gesinnungswandel vom Bürger-kind zum SP-Mitglied hat, wie bei Hunderttausenden, Bruno Kreisky bewirkt. "Es war dieser große Aufbruch. Man hat diskutiert, hatte Visionen, träumte von einer besseren Welt."
Aufbruchszeit. Als Verantwortliche für die Jugendseite hatte sie schon mit dem eben geschiedenen Gemeinderat Michael Häupl zu tun. Beim Abendessen im Salzamt hat es fürs Leben gefunkt. Dann ging alles sehr schnell. 1988 wurde geheiratet, 1989 kam Sohn Bernhard, heute in der zweiten Gymnasialklasse, zur Welt.
Der erlernten journalistischen Passion geht Helga Häupl heute nur noch teilzeitmäßig bei der "Wiener Zeitung" und im Service-Blatt "Der Konsument" nach. Die Großen
der Politik, die sie heute auf politischem Parkett im In- und Ausland trifft, würde sie zwar alle gern interviewen. Jedoch: "Da muss ich strikt trennen. Wenn ich meinen Mann als Ehefrau begleite, kann ich nicht gleichzeitig Journalistin sein. Das geht nicht."
Heimchen am Görg? Eva Görg ist 57, um 13 Jahre älter als Kontrahentin Helga Häupl. 1944, mitten im Krieg, kam sie zur Welt und lebt seit 35 Jahren an der Seite des nunmehrigen Vizebürgermeisters. Eine Familie wie aus dem Musterbuch der bürgerlichen Werte: Als sie einander im heimatlichen Krems kennen lernten, war sie 14 und er 16. Er kommt aus konservativer Lehrer-, sie aus ebensolcher Stabsarzt-Familie.
Eva Görg unterstützt Bernhard mit aller Kraft, war mit ihm heuer schon auf 30 Bällen und findet die Aufgabe "schön und interessant". Eva Görg, zuversichtlich: "Leider kommt sein Humor noch zu wenig durch, jetzt geht er aber auf die Leute schon weit offener zu als noch zu Beginn."
Überwunden. Für das bis dato noch betont sanftmütige Wahlschlachterl hat sie sich erstmals als Sujet auf Wahlplakaten bereit gefunden, ein leidenschaftlicher Schmatz für den Gemahl als Signal familiärer Werte. "Man hat mich überreden müssen, anfangs fand ich es schlimm." Als die Söhne Andreas, 35, Nikolaus, 29, und Matthias, 28, herangewachsen waren, begann sie ein Kunstgeschichtestudium, "das aber, seit mein Mann in der Politik ist, leider ruht". Das Eigenheim in Wien-Hernals ist ganz im Biedermeierstil eingerichtet. Etwas brav für einen, der in der Stadtplanung Brandstifter sein möchte.
Mehr zu diesem Thema im aktuellen NEWS.
Prozess um Gottfried Küssel14:36
Hitler-Gruß vor Gericht"Ich zeige es, ich werde bestraft": Anwalt eines Mitangeklagten liefert bizarre Show ab
