Häupl: "Wenn wir verlieren, geh´ich"

Im Endspurt der Wien-Wahl setzt die SPÖ auf den Bürgermeister. Bringt er die guten Daten ins Ziel? Er droht: "Sonst geh i". In NEWS spricht er über seine Schmerzgrenze und die "Hauptauseinandersetzung mit der FPÖ".
News: Die Werte der FPÖ steigen. War Hilmar Kabas’ Abgang nicht doch ein Verlust für Sie?
Häupl: Es bestätigt sich halt auch in der Politik die Relativitätstheorie. Die Werte der FPÖ sind relativ besser als vor drei Wochen, aber im Gesamtergebnis wird niemand die FPÖ vor der Niederlage retten können.
News: Manche Beobachter halten die Plakate der anderen Parteien für besser, deren Spitzenkandidaten sind sehr präsent.
Häupl: Die werden’s auch notwendig haben. Plakate sind nicht mehr die Artillerie eines Wahlkampfs, sie haben an Bedeutung verloren. Da wird die Dichte, die die Freiheitlichen sicher haben, mit der Effizienz beim Wählervolk verwechselt. Ich halte Inserate für effizienter, die wirken nicht nur im Augenblick des Vorbeihuschens.
News: Die FPÖ besetzt die Themen Drogen und Sicherheit.
Häupl: Reden wir doch über Drogen. Aus aller Welt kommen Experten nach Wien, um sich den erfolgreichen Weg anzuschauen. Partik-Pablé soll Alternativen vorschlagen. Sie jammert die Stadt krank. In Wirklichkeit hat die SPÖ die Kernthemen der Stadt angeschnitten: zur wirtschaftlichen Entwicklung, zu sozialer Absicherung, ökologischen und kulturellen Fragen. Und: Wie gehen wir miteinander um? Das ist meine Hauptauseinandersetzung mit der FPÖ. Die Alternativen zu Hump und Dump.
News: Ein neues, altes Thema sind die antisemitischen Töne vom Wahlkampfhelfer aus Kärnten.
Häupl: Was Herr Haider an offen antisemitischen Bemerkungen abgeliefert hat bis hin zu den Beleidigungen gegen den Präsidenten der Kultusgemeinde: Das ist der Punkt, wo ich sage: Es ist absolut genug. Da geht es mir nicht so sehr um das Image im Ausland, sondern um die politische Hygiene im eigenen Land. Wenn wir zulassen, dass solche Bemerkungen unkommentiert gemacht werden können, dann würde ich sagen, melden wir uns ab. Ich werde das nicht zulassen, ich werde dagegen auftreten und eintreten, wo immer es geht, denn das überschreitet alles. Es reicht.
News: Angeblich haben Sie Ihr Fiaker-Image nicht ungern. Ist das noch zeitgemäß für den Bürgermeister einer modernen Großstadt?
Häupl: Grundsätzlich kann ich mit dem „Vorwurf“, ein auf die Menschen zugehender Typ zu sein, leben. Wenn man Menschen beschreiben will, macht es aber Sinn, einigermaßen auf ihre Vielschichtigkeit und Differenziertheit einzugehen. Wann immer ich mich mit Unternehmern oder Wissenschaftlern über die Forschungs- und Technologieentwicklung Wiens unterhalte, wird ein zusätzliches Bild eröffnet. Nein, damit kann man mich nicht denunzieren.
News: Ihre Schmerzgrenze am
25. März wären Prozentverluste?
Häupl: Meine Schmerzgrenze wäre es, wenn wir verlieren. Aber es wird so nicht sein. Die SPÖ wird zulegen.
News: Im Extremfall könnte Partik-Pablé übrig bleiben, und Häupl und Görg würden zurücktreten.
Häupl: Das wird’s nicht geben.
News: Für diesen hypothetischen Fall: Wer wäre Ihr Nachfolger?
Häupl: Das bestimme dann nicht mehr ich. Aber ich bin davon überzeugt, dass die Führungskompetenz der SPÖ klar sein wird und mein Nachfolger Michael Häupl heißt.
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