Montag, 5. März 2001

Moskau will Aufklärung über Botschafts-Tunnel

Der amerikanische Geheimdienst soll in den achtziger Jahren einen Tunnel unter die Moskauer Botschaft in Washington gegraben haben. Nun verlangen die Russen Aufklärung.

Die Regierung Russlands hat am Montag vom US-Außenministerium eine Stellungnahme zu den Berichten über einen angeblichen Geheimdiensttunnel unter der russischen Botschaft in Washington gefordert. Der Geschäftsträger der US-Botschaft in Moskau wurde dazu in das russische Außenministerium gerufen, berichtete die Agentur Interfax. Ein namentlich nicht genanntes Mitglied der russischen Führung sagte der Agentur, dass Moskau die Berichte über den Tunnel "nicht unbedingt dramatisieren" wolle.
Nach einem Bericht der "New York Times" vom Vortag hatte der amerikanische Geheimdienst in den achtziger Jahren einen Tunnel unter die russische Botschaft in Washington gegraben. Der unterirdische Gang zum Abhören der damaligen sowjetischen Vertretung sei nach der Enttarnung eines Moskauer Agenten bekannt geworden.

Die USA hatten nach den Angaben zu der Zeit des Tunnelbaus mit der damaligen Sowjetunion in einem langen Streit über gegenseitige Abhörmaßnahmen in den Botschaften beider Länder in Moskau und Washington gestanden. Der Streit war eskaliert, nachdem entdeckt worden war, dass der Neubau der amerikanischen Botschaft vom damaligen Geheimdienst KGB fast vollständig mit Abhörvorrichtungen "gespickt" worden war. Zur besseren "Wartung" der Abhöranlagen hatte der KGB einen Tunnel bis in den Keller der Botschaft gegraben.

Eine Sprecherin des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR erklärte zu den Angaben der "New York Times", dass ihr Dienst "nicht überrascht wäre", wenn sich der Bericht über den Tunnel unter der russischen Botschaft in Washington bestätige. "Schließlich ist die Vorliebe der amerikanischen Geheimdienste fürs Buddeln in der Erde sehr gut bekannt", sagte sie.

5.3.2001 13:32