Freitag, 2. März 2001

Oracle-Warnung lastet auf Tokioter Börse

Die japanische Volkswirtschaft schlittert immer deutlicher auf eine neue Rezession zu: In Reaktion auf neue miserable Konjunkturdaten stürzte Tokios Aktienbörse am Freitag auf den tiefsten Stand seit mehr als 15 Jahren. Am fünften Verlusttag in Folge brach der Nikkei-Index um 3,3 Prozent auf 12 261,80 Punkte ein.

Tiefer stand der Index zuletzt am 31. Juli 1985. Zwei Jahre, nachdem Japan eine seiner schwersten Finanz- und Wirtschaftskrisen durchlitten hat, steht die Nummer zwei der Weltwirtschaft erneut am Rand des Abgrunds.

Arbeitslosigkeit auf Rekordhöhe

Während die Arbeitslosigkeit auf Rekordhöhe liegt, sinken die für einen Aufschwung entscheidenden Ausgaben der verunsicherten Verbraucher. Die Arbeitslosigkeit droht weiter zu steigen, da die wirtschaftlichen Risiken rapide zunähmen, warnte der Chef des Arbeitgeberverbandes, Hiroshi Okuda. Verflogen die noch vor wenigen Monaten auch von Regierungsseite geschürten Hoffnungen auf einen angeblich bevorstehenden Aufschwung. Stattdessen geht die Industrieproduktion deutlich zurück. Genauso die Ausfuhren, die in den vergangenen Jahren noch für Linderung gesorgt hatten.

Notpaket angekündigt

Die regierende Liberaldemokratische Partei (LDP) hat am Freitag angekündigt, sie wolle nächste Woche ein Notpaket für die Wirtschaft zusammenstellen. Sie begründete dies damit, dass sich die Wirtschaftslage viel schneller verschlechtere als erwartet. "Wir befinden uns in einem sehr tiefen Loch, das man als Rezession bezeichnen könnte", sagte LDP-Generalsekretär Makoto Koga. Auch die Notenbank sollte darum gebeten werden, ihre Geldpolitik weiter zu lockern, was von der Bank of Japan postwendend zurückgewiesen wurde. Die Ankündigung des Notpakets hat am Freitag die negative Stimmung der Investoren freilich nicht aufhellen können.

Arbeitslosenquote auf Rekordhoch

Die Arbeitslosenquote erreichte unterdessen im Jänner mit 4,9 Prozent ein Rekordhoch. Im Dezember hatte die Rate allerdings revidiert ebenfalls 4,9 (4,8) Prozent betragen. Im gleichen Monat sank die Inflationsrate im Großraum Tokio den 18. Monat in Folge. Im Jahresvergleich fielen die Preise um 0,5 Prozent. Die landesweiten Verbraucherpreise stiegen dagegen erstmals seit 16 Monaten. Im Jahresvergleich kletterten sie um 0,1 Prozent.

Am Mittwoch hatte die japanischen Notenbank (BOJ) die Leitzinsen überraschend auf 0,15 Prozent gesenkt und dies unter anderem mit der jüngsten Aktienmarktschwäche und der Exportverlangsamung des Landes begründet. Im August 2000 hatte die BoJ ihre auf Nullzinspolitik gegen den Willen der Regierung beendet.

Japan, wenngleich noch immer größter Nettogläubiger der Welt, leistet sich ohnehin eine bedrohlich ausufernde Staatsverschuldung, die bereits bei 126 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegt. Zu allem Überfluss sorgen Japans Politiker selbst noch für eine Verschärfung der Krisenlage. Eine Bestechungsaffäre erschüttert die Regierungspartei LDP. Die Opposition will am Montag einen Misstrauensantrag gegen Partei- und Regierungschef Mori anstrengen. Auch wenn die Chancen auf Erfolg gering sind, so wird dennoch nicht ausgeschlossen, dass der unpopuläre Premier in Kürze zurücktritt.

2.3.2001 14:58