Dienstag, 27. Februar 2001

Aufschwung der Wirtschaft heuer unterbrochen

Pessimistische Investitionspläne der österreichischen Unternehmen ortet der jüngste Investitionstest des Österr. Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo): Geplant sei für heuer lediglich eine Ausweitung der Investitionen um 1,1 Prozent auf nominell 135,8 Mrd. S (9,87 Mrd. Euro).

Und das nach einem Plus von 18,6 Prozent im Jahr 2000. Grund dafür seien neben der schwächeren Konjunktur "möglicherweise" auch Vorzieheffekte im Jahr 2000 wegen der Streichung des Investitions-Freibetrags per Anfang 2001.

Die gesamten Bruttoanlage-Investitionen - inklusive in der Umfrage nicht erfasster Sektoren wie Telekom, Dienstleistungen und öffentlicher Sektor - erwartet das Wifo heuer mit einem realen Plus von 2,3 Prozent ebenfalls einen schwächeren Anstieg als im Jahr 2000 mit einem Zuwachs von 3,7 Prozent.

Die Phase des kräftigen Aufschwungs der österreichischen Wirtschaft dürfte durch die Rohölpreis-Hausse und das Nachlassen der Expansion auf den wichtigsten Exportmärkten sowie angesichts der Wachstumsverlangsamung in den USA schon nach kurzer Zeit unterbrochen werden, so das Wifo weiter. Die Einschätzung der Produktionserwartungen und der Geschäftslage durch die heimischen Unternehmen deute aber keinesfalls auf einen abrupten Konjunktureinbruch hin.

Die Unternehmen der Sachgütererzeugung gehen für das Jahr 2001 von einem nominellen Umsatzwachstum von 5,7 Prozent aus, nach einem Plus von 7,5 Prozent im Jahr 2000. Insgesamt prognostiziert das Wifo eine Abschwächung des Produktionswachstums in der Sachgütererzeugung auf 4,5 Prozent. Die Investitionspläne der Sachgüterproduktion für 2001 fallen mit einem nominellen Zuwachs von 1,4 Prozent sehr vorsichtig aus. Die Investitionsquote sinkt dadurch auf 6,3 Prozent.

Deutliche Produktionsausweitungen planen heuer nur die Hersteller von Kraftfahrzeugen und nichtdauerhaften Konsumgütern. In den anderen Sektoren ist mit einer Stagnation oder einem Rückgang zu rechnen.

Relativ optimistisch seien die ersten Investitionspläne der Bauwirtschaft für das Jahr 2001, wobei die der Tiefbau die Maschinenkapazitäten merklich stärker ausweiten werde als die Hochbauunternehmer. Nach vorläufigen Schätzungen werden die Bruttoanlageinvestitionen der Bauwirtschaft 2001 bei 8 Mrd. S liegen, nominell um 3 Prozent über dem Niveau von 2000.

In der E-Wirtschaft sanken laut Wifo die Investitionen im Jahr 2000 mit einem Rückgang um 8,4 Prozent etwas stärker als geplant. Die massiven Umstrukturierungen in diesem Sektor und das Fehlen von Großprojekten bewirken eine Fortsetzung dieses Trends rückläufiger Investitionen auch im Jahr 2001, gemäß den ersten Plänen vom Herbst 2000 ist ein Rückgang um 19,9 Prozent vorgesehen. Heuer sähen auch die Stadtwerke eine massive Kürzung vor, nachdem sie im Jahr 2000 als einzige Unternehmen der Branche eine Ausweitung ihrer Investitionen gemeldet haben.

Insgesamt ortet das Wifo bei den Investitionen ein deutliches West-Ost-Gefälle: Unternehmen in Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg wollen ihre Aufwendungen erhöhen - die restlichen Bundesländer werden das Vorjahresniveau gerade erreichen oder knapp verfehlen.

27.2.2001 12:17