Sonntag, 4. März 2001

Reich wie ein Scheich

Vor seinem Abschied legt OMV-General Richard Schenz noch Traumzahlen vor: 4,4 Milliarden Schilling Nettogewinn und rund 100 Milliarden Umsatz – das ist Landesrekord. Allerdings drohen schwere Konflikte mit dem Personal, und die Partnersuche verläuft zäh.

Ganz wohl ist OMV-General Richard Schenz nicht, wenn er an die Bilanz 2000 denkt: „Ich hoffe, daß wir keine Nachteile haben werden. Es ist nicht gut fürs Image, wenn man sehr viel Geld verdient.“ Die Befürchtung, daß die Autofahrer wieder lautstark nach billigerem Benzin schreien werden, ist wahrscheinlich – auch wenn die OMV gerade im Tankstellengeschäft so gut wie nichts eingefahren hat.

Dafür sprudelten die Gewinne des Ölkonzerns sonst umso ergiebiger. Zu den Zahlen verweigert Schenz jeden Kommentar. Aber was diese Woche vorgelegt wird, markiert einen historischen Rekord. Der Nettogewinn der OMV lag im Vorjahr bei 4,4 Milliarden Schilling, ein Plus von rund 65 Prozent, das Ergebnis vor Steuern bei über sechs Milliarden. Noch nie hat ein österreichisches Industrieunternehmen so viel verdient. Der Umsatz (ohne Mineralölsteuer) stieg um über vierzig Prozent auf etwa hundert Milliarden Schilling – auch das ist Landesrekord. Zwar legten viele heimische Unternehmen für 2000 exzellente Bilanzen, am eindrucksvollsten präsentiert sich jedoch die OMV.

Schwarzes Gold

Der explosionsartig gestiegene Rohölpreis und der hohe Dollarkurs ließen den sprichwörtlichen Ausdruck vom schwarzen Gold Realität werden. Im Bereich Exploration und Produktion, der für die Ölförderung zuständig ist, bedeutet ein Dollar mehr beim Ölpreis ein um 240 Millionen Schilling besseres Ergebnis. Im Schnitt kostete das Barrel im Vorjahr 28,4 Dollar, 1999 waren es 17,9 Dollar.

„Ein Teil des Erfolgs ist aber auch hausgemacht“, betont Schenz. Die Ölförderkosten wurden auf fünf Dollar pro Barrel halbiert, die Eigenölproduktion auf vierzig Prozent angehoben. „Diese Strategie trägt jetzt Früchte“, zollt auch Raiffeisen-Analystin Klara Szekffy Lob. Erste-Bank-Mann Ralf Burchert pflichtet bei: „Das Management hat gute Arbeit geleistet und profitiert von den dramatischen Personaleinsparungen der letzten Jahre.“ Zuletzt wurde der Mitarbeiterstand um über drei Prozent auf 5.750 reduziert.

Die erste Bilanz, die Schenz als OMV-General 1994 vorlegte, war die schlechteste der Firmengeschichte. Damals mußten rund vier Milliarden Schilling wertberichtigt werden. Die jetzige Traumbilanz wird wahrscheinlich seine letzte sein: „Aus heutiger Sicht gehe ich mit Jahresende in Pension.“

Keine Klima-Pension

Eine einmalige Pensionsabfindung, wie sie in der OMV üblich war, wird Schenz übrigens verwehrt bleiben. Die Zahlungen vor allem an Manager halbstaatlicher Unternehmen sind heißdiskutiert, seit FORMAT aufdeckte, daß sich Viktor Klima mit vierzehn Millionen Schilling von der OMV nach Argentinien verabschiedete. Die Schenz zustehende Summe würde ein Vielfaches ausmachen – nach US-Maßstäben immer noch ein Butterbrot für einen Manager, der Milliardengewinne heimbringt.

Doch der Konzern hat die Rückstellungen für die Firmenrente an eine Pensionskasse übertragen. Schenz erhält künftig vierzig Prozent seines letzten Grundgehalts (zirka fünf Millionen brutto im Jahr) überwiesen. Samt ASVG-Pension kommt er auf knapp fünfzig Prozent: „Eine einmalige Auszahlung ist ausgeschlossen, ich habe keinen Zugriff auf das Geld.“

Neuer Aufsichtsrat

In den Aufsichtsrat wird Schenz nach seinem Abtritt aus dem operativen Geschäft höchstwahrscheinlich nicht wechseln. Von solchen Rochaden hält er nichts. Gravierende Änderungen stehen im OMV-Kontrollgremium dennoch an. Auf Druck von Regierung und ÖIAG werden schon bei der Hauptversammlung am 23. Mai mindestens fünf von zehn Kapitalvertretern ausgetauscht: Präsident Oskar Grünwald, Ex-ÖIAG-Chef Rudolf Streicher, ÖGB-Mann Richard Leutner, der frühere BA-General René Alfons Haiden und der 75jährige Konsul Norbert Beinkofer. Neuer Präsident wird der künftige ÖIAG-Boß, der nach dem Abschied Streichers gerade von einem Münchner Headhunter gesucht wird.

Der akute Druck auf das Management hat allerdings nachgelassen. FPÖ-Wirtschaftssprecher Thomas Prinzhorn polterte noch im Mai 2000, die OMV-Spitze agiere planlos, die Kursentwicklung sei eine Schande, der Ölkonzern verdiene zuwenig. Im Ausland, so Prinzhorn damals, wäre ein solcher Vorstand längst ausgetauscht worden. Davon ist bei 4,4 Milliarden Nettogewinn jetzt keine Rede mehr.

ÖIAG und IPIC werden mit einer satten Dividende besänftigt. Schenz: „Ich glaube, unsere Stellung bei der ÖIAG ist sehr gut. Sie hat mit uns keine Probleme mehr.“

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4.3.2001 08:17