Donnerstag, 1. März 2001

Sportministerin kündigt Konsequenzen an

"Finnlands Skisport wurde beerdigt." Die Zeitung "Iltalehti" brachte am Donnerstag in riesigen Lettern die Stimmung in Finnland nach dem größten Dopingskandal in der Geschichte des Langlaufs auf den Punkt.

Nach der Entlarvung von sechs Läufern, denen die Einnahme des verbotenen Blutplasma-Expanders HES während der Weltmeisterschaften in Lahti nachgewiesen worden war, sind die sportbesessenen Nordeuropäer geschockt. Die Jugend in Finnland, wo Langlauf ein Volkssport ist, hat zwei ihrer größten Idole verloren.

Der immens populäre Harri Kirvesniemi (42) und Mika Myllylä (31), der erfolgreichste Suomi-Langläufer, sind nach positiven A-Tests vom Podest gestürzt worden. Ungläubig hörten die Finnen bei einer auf allen TV-Kanälen live übertragenen Pressekonferenz, wie der vorerst noch allein als Sündenbock auftretende Cheftrainer der finnischen Langläufer, Kari-Pekka Kyrö, bewusstes Doping zugab: "Ja, wir haben HES benutzt, um unsere Erfolgsaussichten zu erhöhen."

Experten geglaubt

Die erwischten Sportler sowie er selbst und zwei Mannschaftsärzte seien dabei "wie Amateure" vorgegangen, meinte der suspendierte Trainer, weil man der Auskunft von Experten geglaubt habe, dass auf das seit zwei Jahren bekannte und seit einem Jahr verbotene HES bei der WM nicht getestet werde. Bei der WM in Ramsau hätten andere Teams diese (damals noch nicht verbotene) Substanz benützt, sagte Kyrö. Kirvesniemi erklärte relativ frank und frei, er hätte das verbotene Mittel "nie und nimmer" eingenommen, wenn ihm nicht allseits erklärt worden sei, dass man Tests auf Plasmaexpander ausschließen könne.

Nachbarn erzürnt

Aus den Nachbarländern Norwegen und Schweden, die mit den Finnen seit Jahrzehnten um die Vorherrschaft im nordischen Skisport ringen, kamen besonders kritische Kommentare. Man solle die Finnen wegen ihrer "seit Jahren blühenden Doping-Subkultur" von allen internationalen Wettbewerben ausschließen, bis sie alle Karten auf den Tisch legen, verlangte der schwedische Ex-Langläufer Anders Blomqvist. Norwegens Langlauf-Chef Pal Gunnar Mikkelsplass erklärte, seine Athleten würden sich jederzeit Kontrollen stellen.

Harte Konsequenzen gefordert

Harte Konsequenzen verlangte Finnlands Sportministerin Suvi Linden. Sie habe die Nase voll von den Lügen des Skiverbandes. Die Ministerin will den Rücktritt der kompletten Verbandsspitze durchsetzen, nachdem Verbandschef Paavo Petäjä und Generalsekretär Esa Klinga weiter im Amt geblieben sind und sich selbst als völlig unwissend erklärt hatten. Die Sportministerin will auch alle Verbandsaktivitäten der letzten Jahre durch Außenstehende auf Anwendung von Doping durchleuchten lassen.

Keine finnischen Athleten zum Weltcup nach Russland

Der finnische Skiverband hat nach dem Dopingskandal bei den Nordischen Weltmeisterschaften beschlossen, keine Mannschaft zu den nächsten Weltcuprennen am Wochenende in Kawgolowo (Russland) zu entsenden. In Lahti hatten sechs finnische Langläufer positive Dopingproben abgeliefert, bei vier von ihnen steht allerdings noch die Auswertung der B-Probe aus.

1.3.2001 16:11