Konstruktionsmangel "längerfristiges Problem"

Der Reaktor im südböhmischen AKW Temelin wird nächste Woche wahrscheinlich wieder abgeschaltet, damit weitere Reparaturen durchgeführt werden können. Das erklärte die Chefin der tschechischen Staatlichen Behörde für Atomare Sicherheit (SUJB), Dana Drabova, in einem Interview laut Prager Tageszeitung "Pravo".
Sie bestätigte, dass die Vibrationen der Rohrleitungen an der Turbine noch nicht völlig beseitigt worden seien. "Dies ist ein längerfristiges Problem, für dessen Lösung auch Wissenschaftler eingeschaltet wurden", sagte Drabova.
Wie die SUJB-Chefin erklärte, sei nicht einmal der Lieferant "Skoda Energo" davon ausgegangen, dass es schon jetzt gelingen würde, die Vibrationen zu beseitigen. Vor einigen Tagen hatte die Firma aber behauptet, dass die Vibrationen bereits beseitigt worden seien. Nach Angaben von Drabova sollen nun weitere Reparaturen an den Regulationsventilen durchgeführt werden. Aus ihrer Sicht handle es sich "auf jeden Fall" um einen Konstruktionsmangel. Die atomare Sicherheit des AKW sei aber auf keinen Fall beeinträchtigt. "Die Schwierigkeiten betreffen ausschließlich den nicht atomaren Teil des Kraftwerkes. Die Vibrationen wurden zwar noch nicht völlig beseitigt, aber es ist garantiert, dass sie die Rohrleitungen nicht beschädigen", so Drabova.
"Skoda Energo" werde bis Juni - dem Zeitpunkt des geplanten Beginns des kommerziellen Betriebes - neue Regulationsventile produzieren. Man müsse auch davon ausgehen, dass der Reaktor wegen der Abstimmungsarbeiten im sekundären Kreislauf "noch mehrmals kurz abgeschaltet werden wird", um ein präzises Zusammenwirken zwischen Software und allen Maschinen-Einrichtungen zu erreichen.
Drabova sagte weiters, die Arbeiten am zweiten Reaktorblock seien schon zu 90 Prozent abgeschlossen. Auch das Kontroll- und Steuerungssystem sei fast fertig. Man gehe hier zügiger als beim ersten Block vor. "Die 'heißen Tests' sollten laut CEZ (Betreibergesellschaft) im Mai beginnen, aber ich glaube, es wird eher Ende Juni werden", so Drabova. Für Ende des Jahres erwarte man die Beladung mit den Brennstäben und im Laufe des Jahres 2002 den Beginn der Kettenreaktion. "Der zweite Block wird in einer ganzen Reihe von Einrichtungen moderner sein", betonte die SUJB-Chefin.
Zu den Reaktionen aus Österreich sagte Drabova, sie sehe eine wesentlich unterschiedliche Positionierung der Regierung im Vergleich zu den Atom-Aktivisten. "Von der offiziellen österreichischen Seite ist im Dialog ein sichtbarer Schub zum Besseren zu sehen. Die österreichischen Experten stellen eine große Menge von Fragen und verhandeln auf seriöser Ebene - als ob die Spitzen des Misstrauens bei den meisten österreichischen Politikern einigermaßen abgestumpft wären", so Drabova.
Im Zusammenhang mit dem illegalen Import von radioaktiven Strahlern nach Tschechien, der am 23. Februar für Schlagzeilen gesorgt hatte, sagte Drabova, es habe sich höchstwahrscheinlich doch nicht um Mess-Sonden der österreichischen Öko-Organisation Global 2000 gehandelt. "Die Strahler wurden im österreichischen Reaktor-Forschungszentrum Seibersdorf hergestellt", so Drabova. Sie fügte hinzu, es habe keinen Sinn, illegale Monitorsysteme aufzubauen, weil die SUJB diese ohnehin nicht verbieten würde - sie seien keineswegs gesetzeswidrig. "Wer aber ohne Erlaubnis, ohne Anmeldung und ohne ordentliche Qualifikation radioaktive Strahler einführt und einsetzt, verstößt gegen das Gesetz", betonte Drabova.
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