Donnerstag, 1. März 2001

UNESCO: Kulturelle Katastrophe

Die in Afghanistan herrschenden fundamentalistischen Taliban-Milizen haben ihre Drohung wahr gemacht: Sie haben nun mit der Zerstörung von religiösen Statuen aus vorislamischer Zeit begonnen. Darunter sind auch kunsthistorisch einmalige Buddha-Figuren aus dem fünften Jahrhundert im Bergland der Provinz Bamiyan.

"Das Zerstörungswerk begann in Kabul, Jalalabad, Herat, Kandahar, Gasni und Bamiyan", sagte der "Informationsminister" der international nicht anerkannten Taliban-Regierung, Kadradullah Jamal. Damit werde die Anordnung des obersten Taliban-Führers, Mullah Muhammad Omar, in die Tat umgesetzt.

Die beiden Buddha-Statuen in Bamiyan, 125 Kilometer westlich der Hauptstadt Kabul, sind 37 und 53 Meter hoch. Die zweite gilt als die größte Buddha-Statue der Welt. UNESCO-Generaldirektor Koichiro Matsuura sprach am Mittwoch von einer kulturellen Katastrophe. Die Taliban richteten mit der Zerstörung der Statuen irreparablen Schaden an einem Kulturerbe von universellem Wert an.

Nach Angaben des Taliban-"Ministers" Kudratullah Jamal zerstörten Milizionäre auch Kunstgegenstände im Nationalmuseum von Kabul sowie in den Provinzen Herat, Jalalabad und Kandahar. Auf dem Territorium Afghanistans befinden sich umfangreiche buddhistische Kulturgüter aus vorislamischer Zeit. Im Jänner hatten die Taliban die Todesstrafe für Personen eingeführt, die vom Islam zu einer anderen Religion konvertieren. Auch Nicht-Moslems, die Moslems zum Übertritt bewegen wollen, werden mit dem Tod bestraft.

1.3.2001 11:48