"Herr Fagan, zur Hölle mit Ihnen!"

Ed Fagan ist der Klagiator. Vom Holocaust über Kaprun bis BSE und Temelin - der US-Anwalt ist stets dabei. Ex-Clown Fagan hat seinen Spaß mit Österreich. Im NEWS-Interview spricht er über seinen Ruf, Österreich und Desaster.
news: BSE, Kaprun, Temelin. Wird Ed Fagan jetzt bei jedem Unglück in Europa auftauchen?
Fagan: Wenn wir Chancen haben, bin ich immer bereit, den Opfern zu helfen. Aber ich fühle mich nicht für jedes Desaster zuständig. Die Kläger sind alle Opfer unfassbarer Versäumnisse oder potenzieller Verbrechen von Firmen.
news: Fehlt Ihnen nicht schlicht die Power, all diese Fälle anzunehmen?
Fagan: Natürlich strapazieren Klagen in dieser Größenordnung meine Kanzlei ganz besonders. Und den falschen Fall auszuwählen kann dich umbringen – emotionell und finanziell. Zum Glück haben wir bisher fast alle Fälle erfolgreich verglichen.
news: Kritiker werfen Ihnen Geldgier vor. Was verdient Ed Fagan wirklich?
Fagan: Viele meiner Kollegen sind eifersüchtig. Ich wünschte, ich würde so viel Geld verdienen, wie alle glauben. Dann müsste ich mein ganzes Leben nichts mehr arbeiten, aber das Geld kommt oft erst Jahre später.
news: Wie oft sind Sie eigentlich in Österreich?
Fagan: Ich stehe jeden Tag um fünf Uhr früh auf, damit ich mit Europa kommunizieren kann. Rund ein Viertel jedes Monats bin ich in Österreich oder Deutschland, das ist wirklich sehr stressig.
news: Wie würden Sie sich selbst beschreiben?
Fagan: Wenn ich ein Opfer wäre, würde ich mich selbst als Anwalt wählen. Nicht weil ich der größte oder gescheiteste Anwalt bin, sondern weil ich die Gabe habe, ein Siegerteam zusammenzustellen und Fälle durchzuboxen. Dabei zwinge ich meist übermächtige Gegner in die Knie.
news: Indem Sie zunächst mit Horrorbeträgen drohen?
Fagan: Wir teilen den Geklagten einfach das Potenzial ihrer möglichen Verpflichtungen mit. Dann müssen sie die Entscheidung treffen: Stellen wir uns der Verantwortung oder nicht? Ich habe kein Problem mit Leuten, die sagen: "Herr Fagan, zur Hölle mit Ihnen." Und ich habe kein Problem mit jenen, die sich zu Vergleichsgesprächen an einen Tisch setzen.
news: Sie geben sich gerne als der Staranwalt.
Fagan: Mein Bekanntheitsgrad ist mittlerweile so hoch, dass ich "Fagan Inc." gründen und Aktien verkaufen könnte, ich bin ein Markenzeichen geworden. Vielleicht durch die Presse oder durch meinen Kampfgeist. Die Leute hassen mich, oder sie schätzen mich.
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