"Die Chancen stehen Fifty-fifty"

Kommt Rot-Grün? SP-Stadtrat Faymann, "Verbindungsmann" zu den Grünen und Wiens Grünen-Chef Chorherr im NEWS-Gipfeltalk.
news: Herr Stadtrat Faymann, wie oft treffen Sie sich mit Christoph Chorherr, um mit ihm über eine rot-grüne Koalition zu reden?
Faymann: Wir reden bei unseren Treffen nicht nur über Rot-Grün, sondern auch über andere Fragen, die uns
in Wien interessieren. Ich würde sagen, alle paar Wochen einmal.
news: Sind Sie der SP-Verbindungsmann zu den Grünen?
Faymann: Na ja, "Verbindungsmann" klingt etwas seltsam. Ich bin jedenfalls einer, der mit den Grünen eine Reihe von Projekten durchgeführt hat, wie etwa die autofreie Mustersiedlung, und dabei recht positive Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den Grünen gesammelt hat.
Chorherr: Bei uns sind Gespräche mit den anderen Parteien Gott sei Dank kommunalpolitischer Alltag. Eine Arbeitsteilung, wer sich mit wem verbindet, gibt es nicht.
news: Es scheint, als gäbe es im Wahlkampf nur ein Thema: nämlich ob Rot-Grün kommt oder nicht. Wie geht es nach der Wahl weiter?
Faymann: Mehr als dem Wähler die Wahrheit zu sagen, nämlich dass es zwei Möglichkeiten – Rot-Schwarz oder Rot-Grün – gibt, kann man nicht tun. Ich bin keiner, der viel von Prophezeiungen hält.
Chorherr: Um diverse Unterschiede zwischen Rot und Grün darzustellen: Wir sagen ein bisschen mehr vor der Wahl. Wir streben eine Veränderung in Wien an. Da spielt auch die bundespolitische Komponente stark mit. Wer eine rot-grüne Reformregierung möchte, muss Grün wählen, weil, wie die SP auch ehrlicherweise darstellt, wer die SPÖ wählt, auch die ÖVP im Rucksack mitbekommt. In der SPÖ gibt es zwei Strömungen. Die einen wollen eher den gemütlichen Weg, denn die ÖVP gibt es ja billig: Ein paar Posten da und dort, und dann passt es. Die anderen in der SPÖ wollen etwas Neues, Innovatives mit den Grünen probieren. Dieses Match ist noch nicht entschieden.
Faymann: Es gibt sicher manche in der SPÖ, die das eine oder andere bevorzugen. Die sich das eine oder andere wünschen. Aber insgesamt gibt es eine klare Haltung zu dem, was Bürgermeister Häupl gesagt hat: Zwei Optionen und ernsthafte Verhandlungen nach den Wahlen, sowohl mit der ÖVP als auch mit den Grünen.
news: Unterschiedliche Ansichten gibt es darüber, ob eine rot-grüne Koalition ein gutes Gegenmodell zur blau-schwarzen Koalition im Bund wäre …
Chorherr: Bei der Wien-Wahl geht es für mich um eine grundlegende Weichenstellung. Was man aus manchen sozialdemokratischen Funktionärskreisen hört, ist: Schwarz-Blau gibt es sowieso acht Jahre lang. Ich meine: Man muss möglichst rasch eine Alternative dazu aufzeigen. Rot-Grün
in Wien könnte eine derartige sein. Diese Alternative ist auch in manchen Köpfen der SPÖ, aber sie ist noch nicht so recht sichtbar.
Faymann: Das beste Gegenmodell ist ein gestärkter Bürgermeister Häupl. Es spricht natürlich auch einiges dafür zu sagen, man unterstützt in Wien eine andere ÖVP als die im Bund. Görg hat sich anders verhalten als die Volkspartei auf Bundesebene. Es gibt sehr viele Angriffe der Bundesregierung auf Wien, etwa das Aushungern im Bildungsbereich. Da könnte man vielleicht mit der ÖVP gemeinsam einiges
abwehren.
news: Wie hoch ist die Chance, dass Sie sich bald als amtsführende Stadträte gegenübersitzen?
Faymann: Zuerst entscheidet der Wähler, dann der Bürgermeister über sein Team. Ich würde mich schon freuen, in Zukunft wieder als Wohnbaustadtrat tätig sein zu können.
Chorherr: Ich würde mir ein zukunftsorientiertes rot-grünes Projekt wünschen. Die Chancen dafür stehen 50:50
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