Indonesiens Elitetruppen sollen eingreifen

Die indonesische Regierung hat Elitesoldaten nach Borneo entsandt, um die blutige Gewalt gegen Zuwanderer zu stoppen. Die 650 Mann landeten am Montag auf dem Flughafen von Palangkaraya, der Hauptstadt der Unruheprovinz Kalimantan.
Einwohner der am stärksten verwüsteten Stadt Sampit schätzten die Zahl der Getöteten seit dem Beginn der Unruhen vor gut einer Woche auf mehrere tausend; nach offiziellen Angaben wurden 270 Menschen getötet.
In Palangkaraya plünderten Ureinwohner vom Volk der Dayak am Montag erneut Häuser und Geschäfte von maduresischen Zuwanderern und steckten Gebäude in Brand. Polizei und Militär schritten meist nicht ein. In Sampit warteten bis zu 25.000 Flüchtlinge auf ihre Evakuierung durch die Marine, wie die Gesundheitsbehörden mitteilten.
Die Soldaten der Sondereinheit Kostrad sollten in Palangkaraya und der 440 Kilometer entfernten Küstenstadt Pangkalanbun eingesetzt werden, um eine Ausweitung der Gewalt zu verhindern. Im bisher ruhigen Pangkalanbun sei die Gefahr neuer Ausschreitungen am größten, sagte ein Militärsprecher. Sicherheitsminister Susilo Bambang Yugdhoyono sagte in Palangkaraya, er hoffe, die Lage könne in den kommenden Tagen unter Kontrolle gebracht werden. In der indonesischen Hauptstadt Jakarta kritisierte Parlamentspräsident Akbar Tanjung, dass Präsident Abdurrahman Wahid seine Nahostreise trotz der Unruhen fortsetzte.
Ein Vertreter der Gesundheitsbehörden berichtete aus Sampit, auch hunderte Kilometer von der Stadt entfernt würden noch Leichen in Flüssen und Wäldern entdeckt. "Das ist ein Bürgerkrieg zwischen Maduresen und Dayak", sagte Qomaruddin Sukhami der Nachrichtenagentur AFP. Die Zahl der Toten werde wohl nie genau festgestellt werden können. Ein Flüchtling berichtete, Dayak hätten ihn mit 26 Schülern aus dem Schulgebäude geholt. Die Dayak hätten begonnen, die Schüler niederzumetzeln und ihnen die Köpfe abzuschlagen, sagte Masudi Muali. Nur ihm und einigen anderen sei die Flucht gelungen.
In der 160.000-Einwohner-Stadt Palangkaraya fuhren Dayak mit roten Tüchern um die Stirn auf Lastwagen durch die Straßen. Einer von ihnen sagte, die Armee greife nicht ein, weil sie wisse, dass sie dann von der Menge überwältigt würde. Ein Polizist sagte, die Lage sei außer Kontrolle, er könne nichts tun. Während Geschäfte und Häuser der Maduresen geplündert wurden, blieben die Geschäfte von anderen Besitzern unversehrt.
Rund 11.000 Menschen wurden nach Angaben der örtlichen Behörden bis Montag aus Sampit evakuiert. Zahlreiche andere hatten sich in der Umgebung versteckt und suchten am Montag in den öffentlichen Gebäuden der Stadt Zuflucht. Nach Angaben von Ärzten starben mindestens fünf Flüchtlinge an Krankheiten, zahlreiche andere hätten seit Tagen nichts gegessen. In Palangkaraya trafen 14 Tonnen Hilfsgüter ein, darunter Lebensmittel, Medikamente und Decken.
Grund der Ausschreitungen ist offenbar Sozialneid der Dayak, die den zugewanderten Menschen von der Insel Madura ihren wirtschaftlichen und sozialen Erfolg missgönnen. Zudem werfen die Ureinwohner den Maduresen vor, sich nicht an ihre Kultur anzupassen. Auf Anweisung von Ex-Präsident Suharto waren in der Vergangenheit Hundertausende Bewohner der dicht besiedelten Hauptinseln auf weniger besiedelte Außeninseln gebracht worden.
Malaysia versetzte unterdessen seine Truppen an der Grenze zu Indonesien auf der Insel Borneo in Alarmbereitschaft. Bisher seien jedoch noch keine Flüchtlinge festgestellt worden, sagte ein Vertreter der Provinzregierung.
