Montag, 26. Februar 2001

Ex-Geheimdienstchef Markovic beteuert Unschuld

Jugoslawiens ehemalige Machthaber geraten zunehmend unter Druck. Nachdem der Ex-Chef der serbischen Geheimpolizei, Markovic, in Handschellen endete, droht dem früheren Staatschef Milosevic möglicherweise dasselbe Schicksal. Im Belgrader Zentralgefängnis ist nach einem Bericht der britischen Tagezeitung "The Independent" bereits eine ganze Etage für die Verhaftung des früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic vorbereitet worden.

Das Stockwerk sei geräumt und eingerichtet worden, um Milosevic und einige seiner engen Vertrauten aufzunehmen, berichtete die Zeitung am Montag unter Berufung auf Quellen im Belgrader Justizministerium und der Polizei.
Mit der Verhaftung des früheren Chefs der serbischen Geheimpolizei hatte die neue serbische Regierung am Wochenende den ehemaligen Machthabern um Milosevic erstmals einen schweren Schlag versetzt. Der Geheimpolizeichef und Milosevic-Vertraute Rade Markovic wird für eine Reihe von politischen Morden verantwortlich gemacht. Die Fraktion des reformorientierten Parteienbündnisses DOS im serbischen Parlament kündigte an, Markovics Festnahme sei nur der Beginn einer Serie, an deren Ende Milosevic selbst stehen werde.

Bisher streiten Belgrad und die internationale Gemeinschaft über das juristische Vorgehen gegen Milosevic. Vor dem UNO-Tribunal in Den Haag sind Milosevic sowie vier seiner engsten Vertrauten wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Belgrad hatte seine Auslieferung unter Hinweis auf die jugoslawische Verfassung zunächst abgelehnt und ein Verfahren vor einem serbischen Gericht in Aussicht gestellt. Inzwischen entschloss sich die Regierung allerdings, die Gesetze zu überarbeiten, um Milosevic möglicherweise doch nach Den Haag zu überstellen.

Markovic weist Vorwürfe zurück

Der unter Mordverdacht festgenommene frühere serbische Geheimdienstchef Markovic hat alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. Wie die Belgrader Zeitung "Vercernje Novosti" in ihrer Montagsausgabe berichtete, habe Markovic jegliche Beteiligung an der Ermordung von Oppositionellen bestritten. Markovic war am Freitag zusammen mit zwei weiteren Männer festgenommen worden. Der 54-jährige war oberster serbischer Geheimpolizist im Regime des gestürzten jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic.

Die Verhaftungen stehen im Zusammenhang mit einem mutmaßlichen Anschlag gegen den Oppositionspolitiker Vuk Draskovic. Vier von Draskovics Mitarbeitern waren 1999 getötet worden, als ein Lkw in ihre Wagenkolonne gerast war. Der Oppositionsführer hatte das Milosevic-Regime für den Vorfall verantwortlich gemacht. Wie die "Vercernje Novosti" weiter berichtete, wurde Markovic nun auf Grund der Zeugenaussage des Lkw-Fahrers verhaftet.

Markovic habe zudem bestritten, in die Ermordung des Journalisten Zlavko Curuvija im April 1999 verwickelt zu sein, berichtete die Belgrader Zeitung weiter. Führer des Belgrader Regierungsbündnisses DOS hatten ihn für die Tat verantwortlich gemacht. Unterdessen verurteilte Milosevics Sozialistische Partei die Verhaftung Markovics. Alle gegen den Ex-Geheimdienstchef erhobenen Vorwürfe seien konstruiert, hieß es am Sonntagabend nach einer Sitzung der Parteispitze unter Führung von Milosevic in Belgrad.

26.2.2001 11:22