Sonntag, 4. März 2001

Angriff albanischer Rebellen an mazedonischer Grenze

An der Grenze zwischen Mazedonien und dem Kosovo sind seit Sonntagmorgen Schießereien im Gang, bei denen nach bisher vorliegenden Informationen drei mazedonische Soldaten ums Leben gekommen sind, zwei von ihnen bei einer Minenexplosion.

Bei den Angreifern handelt es sich nach mazedonischen Angaben um schwarzuniformierten albanische "Terroristen", die den Grenzort Tanusevci unter ihre Kontrolle gebracht haben.

Staatspräsident Boris Trajkovski hat nach Angaben aus dem Verteidigungsministerium die führenden Regierungsmitglieder und den Chef des Generalstabes wegen der Situation an der Grenze zum Kosovo zu einer Dringlichkeitssitzung einberufen. Die beiden Grenzübergänge zwischen Mazedonien und dem Kosovo, Blace und Jazince, sind seit Sonntag Mittag geschlossen. OSZE- und das UNHCR-Teams wurden aus dem Grenzgebiet evakuiert. Am späteren Nachmittag sollte Trajkovski in Skopje mit den Oberkommandierenden der NATO-geführten internationalen Kosovo-Friedenstruppe KFOR zusammentreffen. Die mazedonischen Medien verbreiteten noch keine Informationen über die Geschehnisse.

Nach bewaffneten Zusammenstößen zwischen der kürzlich von Albanern in Mazedonien gegründeten Miliz "Nationale Befreiungsarmee" und Sicherheitskräften stünden "ganze Dörfer leer", hatte der BBC-Balkan-Korrespondent Paul Wood berichtet. Die Regierung in Skopje blickt hilfesuchend auf die NATO, der sie ihr Land 1999 gegen den Widerstand der Bevölkerungsmehrheit als Aufmarschgebiet und Sprungbrett für die Kosovo-Invasion zur Verfügung gestellt hatte.

Die griechische Regierung ist wegen der Gefahr eines Übergreifens der albanischen Rebellenbewegung auf das benachbarte Mazedonien besorgt und will bis 2005 mit umgerechnet über sieben Milliarden Schilling zum Wiederaufbau der Balkanregion beitragen. Dies gab der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Georgios Zafeiropoulos, am Sonntag in Athen bekannt. Der Anteil der Albaner an der Bevölkerung Mazedoniens macht nach offiziellen Angaben der Behörden in Skopje 22, nach albanischen etwa 40 Prozent aus. Albanische Extremisten fordern den Anschluss der westlichen Siedlungsgebiete an Albanien.

4.3.2001 15:21