Vorbereitung für Regierungsumbildung

Argentiniens Präsident Fernando de la Rua hat zur Vorbereitung einer Regierungsumbildung sein gesamtes Kabinett zum Rücktritt aufgefordert. Dies teilte Kabinettschef Chrystian Colombo am Samstag mit. Die Umbildung war durch den Rücktritt von Wirtschaftsminister Jose Luis Machinea vom Vortag notwendig geworden.
Ihm war vorgeworfen worden, bei der Wiederbelebung der Wirtschaft nach zweieinhalb Jahren Stagnation gescheitert zu sein. Es wäre das zweite Mal seit seinem Amtsantritt vor 15 Monaten, dass De la Rua sein Kabinett umbaut. Im Oktober war Vize-Präsident Carlos Alvarez zurückgetreten, was eine Finanzkrise ausgelöst hatte.
De la Rua hatte sich vor der Ankündigung mit mehreren mit Beratern zu Gesprächen im Präsidentenpalast getroffen. Colombo zufolge soll der neue Wirtschaftsminister am Sonntag bekannt gegeben werden. Aus Regierungskreisen verlautete zunächst, der ehemalige Bankier Colombo werde vermutlich selbst den Posten erhalten. Später hieß es dagegen, der bei der Wirtschaft beliebte Verteidigungsminister Ricardo Lopez Murphy habe die besten Aussichten. Örtliche Medien berichteten unter Berufung auf Sozialministerin Graciela Fernandez Meijide, De la Rua habe Murphy den Posten angeboten. Dieser habe jedoch zunächst nicht angenommen.
Argentinien ist der größte Schuldner Lateinamerikas. Im Dezember wurde geschätzt, dass das Land in diesem Jahr bei Staatsschulden von 120 Milliarden Dollar (128,2 Mrd. Euro/1.764 Mrd. S) einen Finanzierungsbedarf von etwa 21,5 Milliarden Dollar haben werde. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und andere Kreditgeber hatten dem Land im vergangenen Jahr Kredite über insgesamt fast 40 Milliarden Dollar zugesichert. Die Arbeitslosenquote beträgt 15 Prozent. Argentinien war 1999 mit einem Wachstumsrückgang von 3,2 Prozent in eine Rezession gerutscht, von der sich das Land nur langsam erholt. Die politischen Streitereien hatten das Vertrauen von Investoren in die Wirtschaft belastet.
