Sonntag, 4. März 2001

Gernot Rumpold im FORMAT-Porträt

Gernot Rumpold, einst engster Vertrauter Haiders, steht nach Monaten in der Versenkung wieder hoch im Kurs. Grund: seine Plakatkampagne für FP-Spitzenkandidatin Helene Partik-Pablé.

Gernot Rumpold ist aufgekratzt. "Ich hab’ denen einen Knochen hingeworfen", frohlockt er, und "die beißen sofort drauf herum. Das ist ein Wahnsinn." Gernot Rumpold ist Chef der Werbeagentur Media Connection. Gernot Rumpold, 43, war engster Vertrauter Jörg Haiders und bis vor einem Jahr Bundesgeschäftsführer der FPÖ. Jetzt hat der Kärntner den 120-Millionen-Schilling-Wahlkampf für die Wiener FPÖ und deren Spitzenkandidatin Helene Partik-Pablé konzipiert. Mit seiner Kampagne sorgt "Haiders Mann fürs Grobe" einmal mehr für Aufsehen.

Verärgerte SPÖ. Quer durch Wien ließ Rumpold auf Tausenden Plakatständern affichieren, was er und seine Partei für den Fall einer rot-grünen Koalitionsregierung prognostizieren: "Drogen freigeben", "Wien braucht mehr Ausländer", "Autofahrer ausbremsen". Daß die Plakate von der FPÖ stammen, war nicht erkennbar. Die SPÖ schäumte, machte die Provokationskampagne selbst zum Thema und initiierte Ideenwettbewerbe, um die Rumpold-Sprüche zu konterkarieren. Im langweiligen Wiener Wahlkampf wurde plötzlich über etwas diskutiert.

Selbst professionelle Werber wie Edi Keck (Haslinger & Keck) zollen Respekt: "Die rot-grüne Plakatserie ist wirklich professionell." Nachsatz: "Inhaltlich ist das Ganze aber verlogen wie immer."

Wie auch immer. Die Auftraggeber sind mit ihrem Kampagnenmeister hochzufrieden. FP-Klubobmann Peter Westenthaler lobt Rumpolds "großartige Leistung" über den grünen Klee. Tatsächlich hat die von Rumpold promotete neue FP-Kandidatin Partik-Pablé gegenüber Hilmar Kabas in den Umfragen fast fünf Prozent aufgeholt und liegt jetzt bei rund 22 Prozent.

Bis vor kurzem war Gernot Rumpold in den Chefetagen seiner Gesinnungsgemeinschaft persona non grata. Die neue Regierungsmannschaft wollte am lange Zeit geduldeten rüpelhaften Image des Ex-Geschäftsführers nicht mehr anstreifen. Er sei für Oppositionskampagnen geeignet, aber für die werbliche Betreuung staatstragender Regierungsarbeit nicht mehr zu gebrauchen. Bestärkt wurden die Kritiker durch die ebenfalls von Rumpold konzipierten Werbefeldzüge für die mißglückten Landtagswahlen in der Steiermark und im Burgenland.

In den Führungszirkeln der Partei wurde offen über ein Ende der Zusammenarbeit mit Media Connection gesprochen. Zumal dieser auch für das bislang umstrittenste FPÖ-Wahlplakat verantwortlich zeichnete. Sein "Stop der Überfremdung"-Sujet, affichiert in Wien während des Nationalratswahlkampfs 1999, sorgte international für Empörung.

Einfach ehrlich. Mit Haider habe es in all den Jahren kein größeres Problem gegeben, will Rumpold glauben machen. Er, der Haider noch vor Beginn der politischen Karriere in Kärnten kennengelernt hatte, war über Jahrzehnte nicht von dessen Seite gewichen. Fast traurig berichtet Rumpold darüber, den Jörg kaum noch zu sehen. Es fehle ihm "seine unglaubliche Kreativität und seine Energie". Rumpold: "Wir haben uns ideal ergänzt." Dennoch könne er mittlerweile auch ohne FPÖ ganz gut als Geschäftsmann leben. Der Spezialist für laute Haudraufkampagnen beschreibt sich selbst als Fachmann für "kommunikative und auffällige Werbung". Nur noch vierzig Prozent des Agenturumsatzes steuere die FPÖ bei. Rumpold: "Meine Linie ist unvergleichlich, einfach und ehrlich." Einfach Jörg.

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4.3.2001 14:19