"Ein Trottel ist ein Trottel"

Hannes Kartnig, Präsident von Sturm Graz, über den Champions-League-Höhenflug, sein politisches Weltbild, den Juden Bruno Kreisky, Jörg Haiders Talente, die Todesstrafe und Bettler in Graz.
Format: Herr Kartnig, wie war es am Opernball?
Kartnig: Nett, ich war Gast von Leo Wallner und Frank Stronachs Magna-Konzern. Ich bin gekommen, weil ich mich bei der Riess-Passer und beim Schüssel für die Einbürgerung von unserem Tormann Sidorczuk bedanken wollte.
Format: Was ist Ihr innerer Antrieb?
Kartnig: Wien war immer die Großmacht im Fußball, das Geld liegt dort und auch alle Generaldirektionen. Da habe ich mir gedacht, das gibt’s doch nicht, daß die Steirer nicht auch Meister werden können. Ich war felsenfest davon überzeugt, daß ich das schaffe – obwohl ich auch in der Steiermark viele Gegner gehabt habe.
Format: War Ihr Ruf so schlecht?
Kartnig: Ich sage eben immer die Wahrheit: Wenn einer ein Trottel ist, ist er ein Trottel – in einer Sache. In einer anderen Sache kann er wieder ein klasser Bursch sein.
Format: Anfang der neunziger Jahre feierte Austria Salzburg Erfolge. Der Höhenflug hielt fünf Jahre. Wie lange können Sie Sturm international auf dem jetzigen Niveau halten?
Kartnig: Einen Flop kann man immer bauen. Wenn man heute falsch einkauft und dann kein Geld hat, dann kann das schon passieren. Die Salzburger hatten viel Pech. Bei unserem neuen Stürmer Amoah zum Beispiel habe ich schon ein bisserl gezittert. Den Vertrag habe ich vor der Unterschrift lange vor mir liegen gehabt. Fünfzig Millionen Schilling ist für Österreich ja doch viel Geld. Wenn der sich dann den Fuß bricht, wär’ es dir lieber, wenn er nur zwanzig Millionen gekostet hätte. Natürlich haben wir für ihn eine Versicherung abgeschlossen, aber die deckt längst nicht alles ab. Der Verein hat auch auf mich eine Ablebensversicherung abgeschlossen. Aber auf welche Summe, sage ich nicht, sonst bringt mich noch jemand um. Heutzutage weiß man ja wirklich nicht.
Format: Sind die Gagen eines Beckham oder eines Figo nicht schon obszön?
Kartnig: Ein Wahnsinn, einfach nicht mehr normal. Ich sage zu meinen Spielern, wenn sie unzufrieden sind, immer: "Warum spielt ihr nicht in England oder Italien? Warum kommt denn keine Anfrage für euch?" Der Schopp wurde sechsmal von Mailand beobachtet, es hat geheißen, sie holen ihn im Dezember – nix. Da bin ich wohl einem Jugendtrainer auf den Leim gegangen, der ein Gratisspiel anschauen wollte. Unsere Spieler haben leider Gottes im Ausland keine gute Reputation. Die österreichischen Spieler sind technisch gut, aber überwinden können sie sich halt nicht. Wo spielen denn die österreichischen Legionäre? Bei 1860 München oder Bremen, das zähle ich doch nicht.
Format: Sie erwägen, in die Politik zu gehen, um mit einer eigenen Liste 2003 in Graz für das Bürgermeisteramt zu kandidieren. Ist das mehr als ein Faschingsscherz?
Kartnig: Ich überlege es mir ernstlich. In der Grazer Stadtregierung dauern die Entscheidungen halt viel zu lang. Graz ist eine schöne Stadt, aber in Wahrheit haben wir nichts zu bieten. Außer daß wir immer zur Kasse gebeten werden – der Bürger brennt bei uns wie ein Luster. Ich werde mich bis zum August entscheiden, ob ich Politik mache. Die Chancen stehen 50:50.
Format: Sie klingen recht entschlossen.
Kartnig: Eines weiß ich ganz genau: Eine Partei
zu gründen wäre auf jeden Fall nicht optimal. Die Jugend steht nicht so auf Parteien. Es müßte mir gelingen, von den Parteien die Besten rauszuholen. Und dann ist da noch die Frage: Wie ist der Charakter dieser Menschen? Stehen die auch hinter ihrem Einser, wenn er einen kleinen Fehler macht? Ich kann mich ja erinnern, wie das bei der FPÖ war. Solange sie eine kleine Partei war, ist alles still und leise runtergegangen, dann wurde sie größer, und es kamen Leute dazu, die alle was werden wollten.
Format: Ex-FPÖ-Minister Michael Schmid würde gern bei Ihrer Partei mitmachen.
Kartnig: Bei mir würden viele gern mitmachen.
Format: Würden Sie als Bürgermeister den Sturm-Präsidenten aufgeben?
Kartnig: Nein, wenn man a Herz hat, muß man zu etwas stehen. Das gefällt mir am Häupl. Der sagt: Ich bin und bleibe Austrianer. Gäbe es keinen Häupl, hätte die Austria viel weniger Geld. Unser SPÖ-Landesrat Dörflinger ist aus dem GAK-Präsidium ausgetreten, weil er von allen Seiten Stimmen wollte. Das ist Falschheit, das ist nicht okay. Politik hat mit Sport nichts zu tun.
Format: Gefällt Ihnen Jörg Haider?
Kartnig: Der Haider hat Vor– und Nachteile, blöd ist er nicht – für mich ist er ein hervorragender Oppositionspolitiker. Die Geschichten über ihn, daß er ein zweiter Hitler sein soll, sind ein vollkommener Blödsinn.
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