Donnerstag, 22. Februar 2001

DER OPERNBALL 2001

Diashow zur Demo

Die Einen wollen feiern, die Anderen haben etwas dagegen. Deshalb wird seit Jahren am Tag des Opernballs in der Oper getanzt und davor gegen die "Dekadenz" protestiert.

Das bedeutete für die Autofahrer wieder einmal Ärger: Ab 17 Uhr herrschte am Ring und auf der Zweierlinie Staugefahr!

Die Aktivisten des "Checkpoint Austria" wollen heute mit einem "Checkpoint Opera" gegen die Veranstaltung im Arien-Tempel demonstrieren. An insgesamt sieben Punkten in der Nähe der Veranstaltung soll den Besuchern die Zufahrt erschwert werden.

Die wiederbelebte Demo
"Der Opernball mit seiner Glanz und Glorie war immer auch ein Anziehungspunkt für alle sozial Benachteiligten, die dagegen demonstrieren", erklärte Kurt Wendt, KPÖ-Kandidat bei den Wiener Landtagswahlen und ehemalige Gallionsfigur der Donnerstags-Demonstranten. Die Veranstaltung stehe als Symbol für eine neoliberale Politik und für krasse Gegensätze zwischen Arm und Reich. "Außerdem ist Donnerstag, das ist sehr praktisch", meinte Wendt.

Ball-Gästen soll der "Spaß verdorben" werden
Seit letztes Jahr eine neue Regierung unter "Schwarz-Blau" an die Macht kam, ist die in den letzten Jahren nur spärlich besuchte Demonstration zu neuem Leben erwacht. "Es geht um Ungerechtigkeit", sagte die Sprecherin der Aktion, Sonja Gschaar. Manche würden in der Ballnacht mehr Geld verprassen, als andere in einem Jahr verdienen. Den Gästen soll der Spaß verdorben werden. Am besten, indem sie gar nicht erst in die Oper hinein können.

Checkpoints als Blockaden geplant
Ab 20.00 Uhr werden die Checkpoints in Aktion treten, die laut Organisation nicht bei der Polizei gemeldet werden. Sie sind übrigens alle nach rebellischen Opern-Figuren benannt. An folgenden Stellen ist mit Behinderungen zu rechnen:
Checkpoint 1 "Medea": Elisabethstraße/Operngasse
Checkpoint 2 "Lady Macbeth": Mahlerstraße/Akademiestraße
Checkpoint 3 "Meckie Messer": Kärntner Ring/ Akademiestraße
Checkpoint 4 "Floria Tosca": Opernring/Goethegasse
Checkpoint 5 "Andrea Chenier": Kärntnerstraße/
Walfischgasse
Checkpoint 6 "Die Königin der Nacht": Bösendorferstraße/ Kärntnerstraße
Checkpoint 7 "Don Carlos": Albertina

Das polizeiliche Großaufgebot
Fix scheint nur: Es wird - wie im Vorjahr - ein Platzverbot rund um das Haus am Ring geben, teilte Hofrat Ewald Bachinger von der Wiener Staatspolizei mit. "Wir sind dazu verpflichtet, die angekündigten Blockaden zu verhindern oder - wenn es nicht anders möglich ist - sie aufzulösen." Die Aufgabe sei, dafür zu sorgen, dass die Ballbesucher ungehindert zur Oper hin- und wieder wegkommen. Wie viele Beamte im Einsatz sein werden, könne man noch nicht sagen - die Größenordnung bewege sich um die 1.000 Polizisten. Einige werden auch Incognito auf dem Ball selbst sein.

Verkehrsbehinderungen ab 17 Uhr
Die Aktivisten von "Checkpoint Opera" wären bereit, auf ihre Protestaktionen zu verzichten, falls die dadurch eingesparten Kosten für den Polizeieinsatz für einen karitativen Zweck gespendet würden. Der Wiener Polizei-Vizepräsident Günther Marek: "Wir sind nicht auf einem orientalischen Basar", und man lasse sich nicht erpressen.

"Erfahrungsgemäß kann man um 18 Uhr bereits mit den ersten Sperren rechnen", so Jutta Hierländer vom ÖAMTC. Die Polizei wird reagieren, sobald es erforderlich ist, aber spätestens ab 19 Uhr wird der Bereich um die Oper abgeriegelt sein. Die Konsequenzen: Die Linien 1,2, J und die Badnerbahn werden kurz geführt, die U-Bahn Aufgänge werden gesperrt und die Zufahrt wird nur mehr für Anrainer und Ballbesucher mit Karte gestattet sein.

Wer privat mit dem Auto fährt, sollte nicht über die Zweier-Linie hinaus Richtung City fahren!! Am besten ist es, die Umgebung der Oper ganz zu meiden.

Die Zufahrtsmöglichkeiten für Anrainer und Ball-Gäste: über den Ring mit der Austiegsmöglichkeit bei den Arkaden der Oper, oder über die Lothringerstraße -> Wienzeile -> Wiedner Hauptstarße -> Karlsplatz -> Oper. Die Entwicklung der diesjährigen Demo ist zwar noch nicht absehbar, aber ab 22 Uhr könne man mit einer Beruhigung der Lage rechnen, so Hierländer.

Sonder-Schutz für Kroatien-Präsident Mesic?
Laut Bachinger gibt es noch einige Unsicherheits-Faktoren. Eine ist der Staatsbesuch von Kroatiens Präsident Stjepan Mesic, der auf Grund der innenpolitischen Situation in seinem Land als gefährdet gilt. Er soll als Gast von Bundespräsident Thomas Klestil am Opernball teilnehmen. Eine weitere ist der Ablauf der Demo. Wo versammeln sich die Demonstranten? Entweder am Ballhausplatz - dem normalen Treffpunkt für die Donnerstags-Demo gegen die Regierung - oder direkt bei den so genannten Checkpoints.

Vielleicht gibt es aber auch wieder die eine oder andere satirische Einlage, wie die im Vorjahr des Kabarettisten Hubsi Kramer, der als Hitler mit Chaffeur auftrat (zu sehen in der DIA-SHOW). Das fällt zwar sicher nicht unter "guten Geschmack", aber auch nicht unter das Wiederbeätigungsgesetz.

22.2.2001 19:38

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