Eine rauschender Ball kostet viel - oder fast nichts

Achtung, Balltiger! Eine glanzvolle Walzernacht kann ein Riesenloch ins Geldbörsel reißen. Denn bei so viel Glamour vergisst manch einer auf seinen Kontostand. Aber mit ein paar Tricks lässt sich der finanzielle Kater am nächsten Tag ganz leicht auf Kätzchengröße halten.
Der Opernball ist zweifellos der Ball der Bälle und dementsprechend nobel geht es her. Die Society glänzt in teuren Roben, hungert bei Kaviar und hält die Laune mit Campagner hoch. Und Otto-Normalverbraucher will wacker mithalten. Auch wenn das Haushaltsgeld darunter leidet.
Eine Frage von Geschmack und Stil
Stil kann man nicht kaufen und so manch teures Stück hat neben schlichter Eleganz nichts zu melden - auch, wenn diese nur geborgt ist. So kostet eine Ballrobe/Nacht bei Lambert Hofer nur bis zu 2.500 Schilling. Die heuer angesagten schlichten Satinkleider kosten aber nicht einmal das Doppelte und sind damit auf längere Sicht eine solide Investition. Ein Leihfrack schlägt mit 2.900 Schilling (bei Lambert Hofer) zu Buche, für den Maß-Frack bei Sir Anthony berappt der stilvolle Herr rund 18.000 Schilling.
Opernball-Routinier Elisabeth Himmer-Hirnigel, Inhaberin einer PR-Agentur für Luxus-Artikel, gewährte einen Blick auf ihr jährliches privates Opernball-Budget: Ihr Kleid, heuer vom griechischen Designer Laskaris, den die Wiener Trend-Boutique Chegini exklusiv führt, schlägt mit satten 50.000 S zu Buche. Hirnigel: „Sehr edel und exklusiv, ein Einzelstück.
First Class: Bundy-Frisur und Nobel-Diner
Weitaus entspannender als die Auswahl der Garderobe geht der Friseurbesuch vor dem großen Abend vonstatten: Bei Bundy & Bundy wird zuerst mit Champagner angestoßen, danach wird ein Rundumservice um 1.400 S verabreicht – Maniküre und Make-up inklusive. Georg Bundy, in Opernball-Stimmung: „Die meisten Damen gehen von unserem Salon direkt zum Ball, wir helfen ihnen mit der fertigen Frisur nur noch in die Robe.“ Bevor man sich aufs Parkett schwingt, wird aber im Restaurant Sacher diniert – inklusive der Getränke macht das mit öS 5.800 S ins Opernball-Budget. Gesamtkosten für den im großen Stil vorbereiteten Abend: öS 91.000 S.
Opernball in der Economy-Class
Die schlichte Vorbereitungs-Variante ist zwar (dank der Eintrittskarten) auch nicht gerade wohlfeil, jedoch weitaus günstiger: „Taxi Orange“-Kandidatin Linda Naar fand ihr Kleid bei H&M um 500 S, Plüschkragen und Schuhe kosteten 1.140 S. Bei Hüllerbrand wurde eine „Klimt-Frisur“ um 440 S gezaubert, das Entree vor dem Ball nimmt Linda mit Ballbegleiter Chris in der „Sky Bar“ des Kaufhauses Steffl. Budget-Fazit: öS 11.000 S. Günstig! Oder zumindest fast.
Zwischen Kaviar und Würstel
Günstig kann ein Ball, dessen Eintritt bereits mit 2.900 S zu Buche schlägt, nicht sein. Wem das egal ist, der lässt sich mit Champagner um rund 5.000 S pro Flasche und Beluga-Kaviar um 2.900 S in der begehrten Loge am Rang um 200.000 S verwöhnen. Da fällt ein großer Mocca um 90 S nicht mehr ins Gewicht. Für nicht so prall gefüllte Börsen genügt vielleicht ein Mineralwasser um 65 S, Krapfen (40 S) und ein Sandwich (45 S).
Servier-Stress in Korso und Sacher
Auch für die beiden Gourmet-Tempel rund um die Oper bedeutet der Ball volle Häuser. Etwa 750 Besucher werden in den beiden Hauben-Restaurants erwartet. Im Sacher arbeiten 40 Köche im Akkord. Gebratene Entenbrust, Hummer, Steinbutt mit Trüffeln, Milchkalb und Strudel sorgen dafür, dass eifrige Tänzer die ganze Nacht durchhalten. Und 90 flott servierende Kellner werden darauf achten, dass keiner der 600 Gäste zu spät zum Ball kommt.
Was Reinhard Gerer im Korso servieren wird, ist ein Geheimnis des Chefs. Sicher ist, dass nach dem Ball wie immer Gulsch und Würstel auf den Tisch kommen. Wer jetzt auf die Idee kommt, sich noch einen Platz für diese Festessen zu reservieren, ist aber reichlich spät dran. Die Tische sind früher vergeben als die Ballkarten!
Da bleibt als letzter Ausweg der Würstelstand bei der Albertina - und dort soll auch schon so mancher Opernstar gerne hängen geblieben sein.

