Ecclestone will Kirch ausbremsen

Formel-1-Patriarch Bernie Ecclestone bietet Leo Kirch die Stirn: Offensichtlich um eine spätere Kontrolle der Formel 1 durch den Medienmogul zu verhindern, macht Ecclestone jetzt den Autoherstellern ein überraschendes Angebot.
Der Chef der Formel-1-Holding SLEC bietet BMW, Fiat, Ford, Mercedes und Renault 33 Prozent der Anteile an dem Unternehmen an. "Das wäre für die Formel 1 eine konstruktive, zukunftsweisende Lösung", meinte der 70 Jahre alte Engländer in einem Interview der "Welt am Sonntag". Sein Angebot gelte für den Fall, dass es die neuen Mehrheitsbesitzer EM.TV und die Kirch-Gruppe mit der Kooperationsidee ernst meinten.
Ein neues Engagement der Hersteller würde "dem Grand-Prix-Sport langfristig die lebenswichtigen Motoren sichern". Selbst wenn sich ein Hersteller als Werksteam zurückziehen sollte, "würde er als Motorenlieferant noch ein wichtiger Partner sein". Ecclestone bekräftigte zudem Pläne für den Börsengang des Unternehmens, der "jetzt langsam realistisch wird".
Die Probleme mit der EU-Wettbewerbskommission seien fast gelöst. Befürchtungen, der Rennsport könne bald nur noch im Bezahl-Fernsehen (Pay-TV) zu sehen sein, wies Ecclestone zurück. "So lange ich zuständig bin, wird es immer Formel 1 im Free-TV geben", neben einem "Premium-Produkt als Pay-TV muss es auch für das extrem große Publikum die Möglichkeit geben, Zutritt zur Formel 1 zu haben".
Allerdings räumte der frühere Formel-1-Alleinherrscher ein, dass die neuen Machtverhältnisse in der Holding mit den deutschen Unternehmen EM.TV und Kirch die Möglichkeit seiner Entlassung ermöglichten. "Sie könnten den Aufsichtsrat einberufen und mich mit der Mehrheit, die sie haben, feuern."
Obwohl er sein Veto gegen den Einstieg von Kirch und EM.TV eingelegt habe, weil "kein TV-Sender als Miteigentümer einsteigen kann", betonte der Formel-1-Chef: "EM.TV war bisher ein guter Partner. Sie waren vernünftig und haben nichts Falsches gemacht. Ich hoffe, das bleibt auch mit der Partnerschaft EM.TV/Kirch so."
Ecclestone sagte, er denke noch lange nicht an seinen Rückzug aus der Formel 1: "Wenn sie mich in 20 Jahren feuern würden, wäre mir das lieber. Zu diesem Zeitpunkt wollte ich eigentlich die für viele schon jetzt so wichtige Frage nach meinem Nachfolger beantworten."

