Ferraris Tausendstel-Show erzürntdie Konkurrenz
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Formel Farce in "Ferraropolis": Michael Schumacher höchstpersönlich hat das rote Sündenregister um das wohl kurioseste Kapitel erweitert. Der Ferrari-Starpilot beeinflusste den Großen Preis der USA in Indianapolis mit einem überraschenden Bremsmanöver kurz vor dem Ziel und begnügte sich auf dem berühmten Oval beim knappsten Foto-Finish der Geschichte mit Platz zwei hinter seinem Teamkollegen Rubens Barrichello. "Sie wollten ihre Überlegenheit mit einem schönen Bild dokumentieren. Doch das ist gründlich in die Hose gegangen", meinte nicht nur der deutsche Ex-Rennfahrer Christian Danner.
So knapp der geschenkte "Vorsprung" von elf Tausendstel auch ausfiel, so überwältigend war erneut die Ferrari-Dominanz. "Indianapolis? Von wegen: Ferraropolis!", titelte die italienische Zeitung "Alto Adige" am Montag. Anders als bei Barrichellos Stallorder-Sieg von Spielberg gab sich diesmal aber auch auch die "Gazzetta dello Sport" versöhnlich: "Schumi gibt sich als großer Herr. Auf der Ziellinie überlässt er Barrichello den Sieg."
Schumi versteht die Aufregung nicht
"Heute war eine gute Möglichkeit, Rubens einiges zurückzuzahlen. Ich wollte mit ihm nebeneinander über die Ziellinie fahren, aber das ist nicht ganz gelungen", sagte Schumacher, der nach der "Panne" nur Millimeter an seinem elften Saison-Sieg vorbeifuhr. Der "Schuminator" wollte von einem Skandal jedoch nichts wissen: "Böse Absicht war es nicht. Im Leben geht es doch darum, fair und ehrlich zu sein. Wir haben in diesem Jahr schon so viele Rekorde gebrochen, da dachte ich, dass wir uns auch den knappsten Abstand in einem Rennen sichern sollten."
Barrichello freut sich über das Geschenk
"Da war nichts abgesprochen, wir hatten einen Mordsspaß. Jetzt sind wir wieder quitt, wenn man an Österreich denkt", beteuerte auch Barrichello. Der Brasilianer freute sich über seinen vierten Saisonsieg und seine erste Vize-Weltmeisterschaft wie ein Schneekönig und wurde vom Publikum gefeiert. Schumacher dagegen war in Spielberg ausgepfiffen worden. "Ich war über die Entscheidung des Teams in Österreich nicht besonders glücklich", gab der 33-Jährige zu. Deshalb verzichteten sie in Indianapolis auch auf die Show auf dem Siegerpodest, mit der sie in Österreich die Fans und FIA verärgert hatten. Wohl auch deshalb, weil sie noch immer unter Bewährungsauflagen stehen.
Nächster Rekord für Ferrari
Zu Feiern gab es jedenfalls genug. Schumacher kam zum 21. Mal in Folge ohne Defekt ins Ziel, erstmals seit 1979 schaffte die Scuderia wieder das "Triple". Damals war Jody Scheckter (RSA) vor Gilles Villeneuve (CAN) Weltmeister und Ferrari Konstrukteurs-Champion geworden. Mit den nunmehr 205 Zählern durchbrach Ferrari als erstes Team seit Einführung der Marken-WM 1958 die Schallmauer von 200 Punkten.
Konkurrenz ist sauer
Die neuerlich gedemütigte Konkurrenz reagierte hingegen kritisch auf das Finish in Indy. "Nach Österreich war das nicht sehr clever. Das ist ein sehr sensibler und feindlicher Markt und die Menschen wollen echten Sport sehen, bei dem bis zum Schluss gekämpft wird", warnte etwa Eddie Jordan davor, dass die Formel 1 durch solche Mätzchen Zuschauer verlieren könnte. "Gleichzeitig lief im TV der Ryder Cup und die Superbike-WM und beide waren eine tolle Show. Die Menschen werden nicht mehr Formel 1 einschalten, wenn sie wissen, dass ein Rennen nicht durch echtes Racing entschieden wird."
Michael Schmacher selbst stellte Jordan kein gutes Zeugnis aus. "Wie kann er nur glauben, dass es heute in der Formel 1 noch tote Rennen geben kann." Williams-TD Patrick Head meinte: Das Ende hat gezeigt, dass die maßgeblichen Herren bei Ferrari glauben, dass Ferrari wichtiger ist als der Motorsport." Minardi-Boss Paul Stoddart sagte: "Keine Ahnung, warum sie es getan haben, aber viele Menschen werden sich wünschen, es wäre nie passiert."
Ferrari weist Kritik zurück
Ferrari-Sportdirektor hielt dem entgegen: "Es gab keine Teamorder außer jene, nach dem zweiten Boxenstopp nicht mehr zu attackieren. Wir kontrollieren hier gar nichts, wir versuchen nur unser Bestes zu geben und nicht auch noch gegeneinander zu kämpfen, wenn es nicht im Interesse des Unternehmens ist. Wir sind in einem Sport mit kommerziellen Interessen. Rubens ist glücklich, Michael ist glücklich, wir sind glücklich."
Trotz 8,66 Millionen Zuschauern zur Primetime setzte sich bei RTL ein Trend fort, der seit Schumachers vorzeitigem Titelgewinn festzustellen ist: Im Vergleich zum Vorjahr schauten beim Grand Prix in Indianapolis rund 1,8 Millionen TV-Fans weniger zu. Immerhin erreichte der Kölner Sender einen Marktanteil von 24,8 Prozent. Im ORF sahen 596.000 Zuschauer Formel 1 (21 Prozent Marktanteil), im Vorjahr waren es noch 845.000 (29 Prozent) gewesen.
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