Die Rückkehr des Martin Höllwarth ins Leben

Martin Höllwarth hat ein nicht für möglich gehaltenes Comeback auf dem Siegespodest gefeiert: Der 26-jährige Tiroler hat sich durch den Sport nach den wohl schlimmsten Wochen seines Lebens wieder zurück ins Leben gebracht.
Die WM-Bronzemedaille von der Normalschanze am Freitagabend in Lahti war nicht nur eine Medaille und nicht nur die Rückkehr auf das Stockerl einer Einzelkonkurrenz nach drei Jahren, sondern auch die Bestätigung dafür, dass es sich rentiert, sich im Leben auch in schwierigsten Momenten neue Ziele zu setzen.
Seit dem schrecklichen Autounfall bei Füssen, bei dem Höllwarth als Lenker in einer eisigen Kurve von der Fahrbahn rutschte und bei dem sein Trainer und Freund Alois Lipburger sein Leben verlor, sind weniger als drei Wochen vergangen. Nun hat Höllwarth seine sechste Medaille bei einem Großereignis (nach drei Mal Silber 1992 in Albertville sowie Team-Bronze 1998 in Nagano und 1999 in der Ramsau) geholt. Auch in den für Samstag (Großschanze) und Sonntag (Normalschanze) angesetzten WM-Teambewerben waren weitere Medaillen möglich.
Widmet Höllwarth die Medaille Trainer Lipburger?
Natürlich stand die Frage im Raum, wie das möglich war. Bei der internationalen Pressekonferenz blieb sie unbeantwortet, ebenso wie die Frage, ob Hölli die Medaille Lipburger widme. Erst im kleineren Kreis beantwortete er vorsichtige Fragen. "Wenn ich auf der Schanze bin, bin ich sehr konzentriert auf meine Sache und das Ergebnis zeigt, dass mir das absolut gelingt." Die Schanzen in Lahti liegen ihm jedenfalls. "Ich fühle mich total gut und weiß, was ich drauf habe. Es fällt mir leicht, mich auf die Punkte zu konzentrieren, die wichtig sind. Und das ist momentan eine Stärke von mir."
In seinem bisher erfolgreichsten Jahr 1992 war er ebenfalls unter den Fittichen von Toni Innauer, der nach Albertville seine Trainertätigkeit beendet hatte. Der große Star ist seither aus dem bescheidenen "Hölli" nicht geworden, doch im Rückblick bereut er seinen sportlichen Weg seither nicht, auch wenn er einiges hätte besser machen können. "Sonst wäre ich nicht der, der ich heute bin." Nach Knieproblemen in der Saison 93/94 habe er einmal kurz an ein Karriereende gedacht, doch nun hat sich vieles ausgezahlt.
Selbstvertrauen getankt hat Höllwarth zur Genüge
"Jetzt ist viel Druck weg. Viele haben mir einen Spitzenplatz schon gar nicht mehr zugetraut, die werden jetzt verstummen." So ganz unbegründet waren gewisse Zweifel nicht, denn vor Lahti hatte Höllwarth zuletzt im März 1998 in Planica mit Rang drei vom Siegerfoto der besten Drei gelächelt.
Auch für Cheftrainer Innauer, der mit Höllwarth ja beinahe jeden Tag seit dem Unfall verbracht hat, ihn mental und im Sondertraining in der Ramsau aufgerichtet hat, war der Sprung zu Bronze ein "magic moment". Die kräftige Umarmung und ein Busserl für den Martin waren bester Ausdruck dafür. "Dieser Medaillengewinn in so einem ungewöhnlichen Zusammenhang bewirkt, dass man ein bisschen klein wird neben der ganzen Geschichte", meinte Innauer.
Höllwarth zum Mannschaftsspringen: "Wir sind Medaillenanwärter"
"Als ich ihn vor neun Jahren als Trainer übergeben habe, war er ein junger Kerl mit einem Riesentalent. Was ihm immer ein bisschen gefehlt hat, war das Luftgefühl", meint der Vorarlberger. Und genau da hat er angesetzt. "Da haben wir in den vergangenen Wochen ein bisserl gezaubert, er ist um eine Nuance besser geworden." Höllwarths Ausblick auf die ausstehenden Teambewerbe: "Wir sind Medaillenanwärter, vielleicht nicht die Topfavoriten und deshalb werden wir wahrscheinlich zuschlagen!"
Auch bei der Konkurrenz erntete Höllwarth und das ÖSV-Team Respekt. "Die Strategie der Österreicher war richtig, zur Normalität überzugehen. Es freut mich für Martin, der durch die Hölle gegangen ist", sagte Reinhard Heß, der seine Mannschaft auch angewiesen hatte, mit Höllwarth so normal wie immer umzugehen.
WM-Skispringen von der Normalschanze: Ergebnis
| 1. | Adam Malysz (POL) | 246,0 Punkte | (89,5 m/98,0 m) |
| 2. | Martin Schmitt (GER) | 233,0 Punkte | (91,5/90,0) |
| 3. | Martin Höllwarth (AUT) | 223,0 Punkte | (88,5/88,5) |
| 4. | Stefan Horngacher (AUT) | 219,0 Punkte | (86,5/89,0) |
| 5. | Masahiko Harada (JPN) | 217,5 Punkte | (81,0/94,0) |
| 6. | Andreas Goldberger (AUT) | 216,5 Punkte | (80,5/93,5) |
| 6. | Janne Ahonen (FIN) | 216,5 Punkte | (86,0/87,5) |
| 8. | Noriaki Kasai (JPN) | 215,5 Punkte | (80,5/92,5) |
| 9. | Matti Hautamäki (FIN) | 214,0 Punkte | (82,0/92,0) |
| 10. | Ville Kantee (FIN) | 212,5 Punkte | (85,5/87,5) |
| 11. | Andreas Küttel (SUI) | 211,0 Punkte | (85,5/86,5) |
| 11. | Ildar Fatkullin (RUS) | 211,0 Punkte | (85,0/87,0) |
| 13. | Wolfgang Loitzl (AUT) | 209,0 Punkte | (85,0/86,0) |
| 14. | Risto Jussilainen (FIN) | 204,0 Punkte | (81,5/89,0) |
| 15. | Wojciech Skupien (POL) | 201,0 Punkte | (84,5/84,0) |
