Freitag, 23. Februar 2001

Heimreise am Freitag

Achim Walcher hat am Donnerstag in der 4x10-km-Langlauf-Staffel bei der nordischen Ski-WM in Lahti Erfrierungen der Fingerkuppen an der rechten Hand erlitten und muss die Nacht zum Freitag im Spital in Lahti verbringen.

Die Schmerzen kamen am Tag danach. Achim Walcher, am Donnerstag dritter Mann in Österreichs 4x10-km-Langlauf-Staffel, erlitt bei minus 16 Grad und Wind von etwa 5 Meter/Sekunde Erfrierungen in den Fingern und wird für längere Zeit ausfallen. Der 33-jährige Steirer musste die Nacht im Krankenhaus von Lahti verbringen und wurde mit Infusionen behandelt. Er flog am Freitag nach Hause, wo die Behandlung noch fünf bis sechs Tage fortgesetzt werden muss. Wegen der nötigen Zwangspause ist ein Einsatz in den restlichen Saisonrennen fraglich.

"Achim hat Frostbeulen an Daumen und Zeigefinger der rechten bzw. am Mittelfinger der linken Hand. Nach dem Rennen hatte er kein Gefühl mehr in den Fingern, die blau angelaufen waren. Das ist über Nacht aufgegangen, nun hat er Schmerzen", berichtete ÖSV-Teamarzt Dr. Peter Baumgartl. Walcher wird mit Prostaglandin, einem Medikament zur Erweiterung der kleinen Blutgefäße behandelt, das auch zum Beispiel bei einem Raucherbein eingesetzt wird.

Die Gefahr, dass Folgeschäden bleiben, ist laut Baumgartl gebannt. Allerdings wird er für längere Zeit ausfallen, weil das Risiko bei einer neuerlichen Erfrierung zu groß wäre. In Österreich wird Walcher von seinem Bruder Thorsten, einem Turnus-Arzt in Schwarzach, weiter behandelt.

Einige Komponenten haben dazu beigetragen, dass es zu den Erfrierungen kam. Walcher hat nur einen Pulli angehabt und auch die Handschuhe waren zu kurz, sagte Rennsportdirektor Walter Mayer. Außerdem waren seine Kollegen mit einem Stock mit Korkgriff unterwegs, Walcher hatte einen reinen Plastik-Griff. Das Tragen einer Uhr direkt auf der Haut habe zusätzlich zu einer Kältebrücke geführt.

Der Grenzwert für Langlauf-Rennen liegt bei minus 20 Grad, wobei die durch Wind hervorgerufene zusätzliche Abkühlung von einigen Grad nicht eingerechnet wird. "Der Körper strahlt eine gewisse Wärme ab, durch den Wind geht diese schneller verloren", erklärt Baumgartl.

"kälteindiziertes Asthma"

Bei solchen Temperaturen tritt auch ein so genanntes
"kälteindiziertes Asthma" auf. Hierbei dürfen die Sportler, sofern sie über eine "grafische Darstellung des Atemflusses, die dieses nachweist" verfügen, Asthmamittel nehmen, die eigentlich auf der Dopingliste stehen. "Das ist nichts Besonderes, wer sehr viel Ausdauersport in der Kälte betreibt, bekommt diese Form des Asthma", so der Team-Arzt.

Kälte unterschätzt

"Wir haben die Kälte sicher etwas unterschätzt", gab Rennsportdirektor Mayer zu. Ein Umstand, der beim 50-km-Lauf am Sonntag sicher nicht passieren wird.

Die Kälte macht aber nicht nur den Langläufern zu schaffen. Die Skispringer, bei denen es keine Untergrenzen für einen Start gibt, müssen auf der Normalschanze skandalöserweise ohne Wärmeraum auskommen. Ein Umstand der an einem WM-Schauplatz, noch dazu an einem vielfachen, einfach nicht vorkommen darf. "Das muss man schon sagen, es war bei einer WM noch nie so schlecht organisiert", meinte Baumgartl, der schon oft in Lahti gewesen ist.

Nach den Beschwerden der Springer hat man ein Provisorium errichtet, worüber die Athleten nur lachen können. "Die haben jetzt da oben eine 20 cm dicke Span-Platte aufgestellt und einen Heizstrahler - im Freien! Das ist ja lächerlich", ärgerte sich der durchgefrorene Stefan Horngacher nach dem Donnerstag-Training bei minus 20 Grad. Temperaturen, die beim abendlichen Springen vom kleinen Bakken am Freitag sogar auf rund -25 Grad absacken sollten.

23.2.2001 11:16