Bis 2004 soll Testverfahren entwickelt werden

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) setzt große Hoffnungen auf den Münchner Forscher Christian Strasburger, Bis zu den Sommerspielen 2004 in Athen soll Wachstumshormon-Doping nachgewiesen werden.
"Das Projekt ist sehr attraktiv. Es ist ein guter Schritt", urteilt der Medizinische Direktor des IOC, Patrick Schamasch.
Das IOC wird für die Entwicklung eines Nachweisverfahrens in München 460.000 Dollar (507.166 Euro/6.98 Mio S) bereitstellen. Anfang kommender Woche will Schamasch letzte Details klären, bevor das Forschungsvorhaben beginnen kann. "Wir wollen keine Zeit verschwenden", sagte der IOC-Direktor.
Die Zeit drängt
Tatsächlich läuft den Forschern im Wettlauf mit der offenbar wachsenden Zahl von Athleten, die mit dem künstlich hergestellten Wachstumshormon HGH Missbrauch treiben, die Zeit davon. "Wenn wir jetzt anfangen können, ist die Chance größer, bis 2004 eine anwendbare und juristisch haltbare Nachweismethode zu finden", meinte Strasburger, der als Internist in der Medizinischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität arbeitet und sich seit 1986 mit dem Wachstumshormon beschäftigt.
Test muss einfach sein
Nun will der frühere Ruderer mit seinen Mitarbeitern in eineinhalb Jahren ein Testverfahren entwickeln, mit dem man im Blut und möglicherweise auch im Urin Wachstumshormon-Doping nachweisen kann. "Es ist nahe liegender, es über das Blut zu machen, da die Mengen im Urin durch die Verdünnung sehr gering sind", so Strasburger. Bedingung des Geldgebers IOC ist, dass der Doping-Test "so einfach ist, damit er von den internationalen Verbänden mühelos in der Praxis angewendet werden kann", sagte Schamasch.
Einnahme zwei Tage später noch feststellbar
Die Münchner Wissenschaftler wollen zudem herausfinden, wie groß das Zeitfenster zwischen Einnahme und Nachweis ist. "Man muss bedenken, dass sich im Blut innerhalb von 16 Minuten die Hälfte des Hormons abbaut. Dennoch gehen wir momentan davon aus, die Einnahme bis zu zwei Tage später noch feststellen zu können", berichtete Martin Bidlingmaier, der gemeinsam mit Schamasch an diesem Projekt arbeitet. Trotz des schnellen Abbaus im Körper stehen die Chancen, gedopte Athleten zu ertappen, gut. "Es bringt dem Sportler nur etwas, wenn er das Wachstumshormon kontinuierlich einnimmt", weiß Strasburger.
Auch Zoll wurde schon fündig
Und da könnten nicht nur unangemeldete Trainingskontrollen großen Effekt haben. Dass die Sportler noch bis kurz vor dem Wettkampf auf dieses Doping-Mittel bauen, zeigten die letzten Wachstumshormon-Funde durch den Zoll. So wurde vor den Olympischen Spielen in Sydney im vergangenen Jahr ein usbekischer Trainer mit HGH-Ampullen bei der Einreise nach Australien ertappt.
