Massive Vorwürfe in Richtung Mutola

Der Trip zum Hallen-Leichathletik-Meeting in Birmingham hat sich für Stephanie Graf nicht gelohnt. Die Kärntnerin wurde nach einem Sieg disqualifiziert und erlitt in dem turbulenten Rennen überdies noch eine Fersenverletzung, die im Krankenhaus behandelt werden musste.
Freuen durfte sich hingegen Doris Auer, die im Stabhochsprung mit 5,32 m Dritte wurde und damit das Limit für die Hallen-WM in Lissabon bzw. die Freiluft-WM in Edmonton schaffte.
Klarer Sieg von Graf
Graf hatte klar vor der Marokkanerin Hasna Benhassi (1:59,86) und Olympiasiegerin Maria Mutola aus Mosambik (1:59,88) als Erste das Ziel passiert, doch wurde ihr von der Jury nachträglich wegen Behinderung von Mutola der Sieg aberkannt. Der Protest ihres Managers Robert Wagner gegen diese Entscheidung wurde von der dreiköpfigen Jury abgelehnt, wodurch Benhassi den Sieg davontrug.
Anfangs schien für die Olympiazweite aus Österreich der angepeilte Hallenweltrekord von Christine Wachtel (1:56,40) in Reichweite, war sie doch bei der 400 m-Marke rund zwei Sekunden schneller als die Deutsche bei ihrem Rekordlauf vor 13 Jahren in Wien. Doch dann kam es zu einem wilden Gerangel, bei dem die Österreicherin über die bessere Ellbogentechnik verfügte. Mutola, die im Zuge dieses Duells Graf auf die Ferse stieg, verlor durch diesen Zwischenfall den Rhythmus und musste Graf ziehen lassen, doch die Freude der Österreicherin über Platz eins war nur von kurzer Dauer.
Normale Positionskämpfe
Für Graf waren das "normale Positionskämpfe", weshalb sie ihre Disqualifikation nicht verstehen konnte. Gleichzeitig sparte sie aber nicht mit Vorwürfen Richtung Mutola. "Mein Rennen war ganz auf den Weltrekord ausgerichtet, sie hat aber von Anfang an versucht, durch Tempowechsel das Rennen zu zerstören. Fairness hat sie heute nicht bewiesen. Sie muss aber zur Kenntnis nehmen, dass sie nicht mehr die alleinige Königin auf ihrer Strecke ist", sagte die Kärntnerin.
Graf erlitt drei tiefe Schnittwunden an der Ferse und wußte vorerst nicht, ob sie die nächsten Tage überhaupt laufen kann. Die Disqualifikation hat möglicherweise weitreichende Folgen. Die Kärntnerin möchte eventuell gegen Mutola "bis zur WM nicht mehr laufen" und würde in diesem Fall auch auf den hochdotierten Tour-Gesamtsieg verzichten.
Sportlicher Höhepunkt des Meetings
Für den Höhepunkt des Meetings sorgte Gabriela Szabo. Die rumänische 5.000-m-Olympiasiegerin verbesserte über 3.000 m die zwölf Jahre alte Bestmarke der Niederländern Elly van Hulst um 94 Hundertstelsekunden auf 8:32,88 Minuten. Auf der selten gelaufenen 2-Meilen-Strecke unterboten in Birmingham gleich drei Äthiopier die 28 Jahre alte Weltbestzeit des Belgiers Emiel Puttemans von 8:13,2 Minuten. Im Spurt schlug Hailu Mekonnen in der Rekordzeit von 8:11,85 den 5.000-m- Olympiasieger Million Wolde um 0,25 und Girma Tola um 0,95 Sekunden. Neue Saisonbestmarken fixierten Juliet Campbell (JAM) mit 22,84 über 200 m, Noah Ngeny (KEN) mit 3:36,17 über 1.500 m und der Brite Christian Malcolm mit 20,58 über 200 m.
