Sicherheitsvorkehrungen vor Powell-Besuch verstärkt

Im Gaza-Streifen sind am Freitagmorgen nach offiziellen Angaben zwei von militanten Palästinensern gezündete Bomben explodiert. Ein Sprecher der israelischen Armee teilte mit, die Sprengsätze seien detoniert, als Soldaten zwei zuvor abgesperrte Straßen geöffnet hätten.
Nach den Explosionen sei es zu einem kurzen Schusswechsel zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gekommen. Israels künftiger Ministerpräsident Ariel Sharon bereitete sich unterdessen auf sein erstes Treffen mit US-Außenminister Colin Powell vor.
Bei den Explosionen wurde nach Armeeangaben ein Soldat verletzt. Die Armee errichtete daraufhin einen weiteren Kontrollposten im Gaza-Streifen, der dadurch faktisch geteilt wurde. Vor dem neuen Kontrollposten unweit der jüdischen Siedlung Netzarim im Gaza-Streifen bildete sich eine lange Schlange von Fahrzeugen.
Powell beginnt am Freitag eine viertägige Nahost-Reise. Ein Treffen mit Sharon ist für Sonntag geplant. Dieser hatte am Donnerstagabend angekündigt, er wolle den Schwerpunkt seiner USA-Politik verlagern. Der Chef der konservativen Likud-Partei sagte in Jerusalem vor Präsidenten führender jüdischer Gruppen in den USA, der bisherige Friedensprozess mit den Palästinensern habe den israelisch-amerikanischen Beziehungen im Wege gestanden. "Die Vereinigten Staaten sind unser Verbündeter und dies sollte im Zentrum der Beziehung stehen", sagte Sharon. Unter Bushs Vorgänger Bill Clinton waren die Kontakte zu Israel größtenteils durch den Friedensprozess geprägt gewesen.
Sharon, der bei der Ministerpräsidentenwahl am 6. Februar den sozialdemokratischen Amtsinhaber Ehud Barak geschlagen hatte, wollte ursprünglich noch vor dem Powell-Besuch seine Regierungsbildung abschließen. Ob dies gelingt, blieb zunächst unklar. Sharon strebt ein Bündnis mit der sozialdemokratischen Arbeitspartei an. Vertreter der Likud-Partei und der Arbeitspartei sind optimistisch, dass bis Montag ein Abkommen über eine israelische Koalitionsregierung erzielt werden kann. Das berichtete am Freitag der israelische Armeesender.
Die Unterhändlerin der Arbeitspartei bei den Koalitionsgesprächen, Dalia Itzik, sagte am Freitag im Armee-Rundfunk, am Vortag habe man sich weitgehend über das Amt des Finanzministers geeinigt. Die Gespräche sollten am Freitag fortgesetzt werden. Sharon hatte dem früheren sozialdemokratischen Ministerpräsidenten und Friedensnobelpreisträger Shimon Peres das Amt des Verteidigungsministers angeboten, nachdem Barak verzichtet und seinen Rückzug aus der Politik angekündigt hatte. Die Arbeitspartei fordert zudem die Ämter des Außen- und Finanzministers für sich.
Powell soll bei seiner Nahost-Reise auch mit Palästinenser-Präsident Yassir Arafat zusammenkommen. Ein Sprecher des US-Außenministeriums teilte mit, vor Abschluss der israelischen Regierungsbildung werde es aber vermutlich keine Bemühungen der USA geben, Bewegung in die Nahost-Gespräche zu bringen.
