Der Krone-Chef im NEWS-Interview

Noch im Frühjahr will Hans Dichand die Wiener mit einer kostenlosen U-Bahn-Zeitung aufwecken und kampagnisiert die Übergabe des ORF in Bürgershand. NEWS traf den „Mediator“ zum ausführlichen Interview.
NEWS: Wie wird die „Krone“ bei der Wiener Mutter aller Wahlschlachten Position beziehen?
Dichand: Wir müssen uns völlig unabhängig zeigen. Das ist wohl klar und gerade im Wahlkampf wichtig. Erst gestern hat sich ein Leserbriefschreiber beschwert, dass wir bei der Auswahl der Leserstimmen zu wenig unabhängig seien. Eher aufseiten der Freiheitlichen. Daher achte ich jetzt besonders auf Objektivität.
NEWS: Ihr Kolumnist, der freiheitliche Vordenker Andreas Mölzer, ist da weniger zimperlich. Er hat erst unlängst in der „Krone“ einen Wahlkampfaufruf für Helene Partik Pablé platziert.
Dichand: Es kann bei uns aber auch jeder gegen die Frau FPÖ schreiben. Man muss alle Stimmen bringen. Aber grundsätzlich halte ich Partik-Pablé für eine vernünftige Politikerin. Sie ist geschult und wird nicht so viel Dummheiten von sich geben wie ihr Vorgänger.
NEWS: Wie wird die „Krone“ „urteilen“, wenn sich nach der Wiener Wahl eine rot-grüne Koalition anbahnt?
Dichand: Wenn die Wiener Grünen echte Grüne wären, wie wir das sind, hätten wir eine andere Haltung gegenüber dieser Partei. Aber mit uns fürchten viele, dass dort immer noch getarnte Kommunisten und Anarchos mitreden. Einige davon gibt es sicherlich auch beim ORF und auch in gewissen Magazinen. Dadurch kommt es auch immer wieder zu Parallelaktionen.
NEWS: Deshalb muss der ORF entpolitisiert und an die Bürger übergeben werden, wie es der Wunsch der „Krone“ ist.
Dichand: Nicht deswegen, sondern weil er generell zu stark politisiert ist. Deshalb muss der ORF in die Hand der Bürger übergeben werden, die ja schließlich auch die Beitragszahler sind.
NEWS: Mit dem „ersten Bürger“ Hans Dichand als Aktionär?
Dichand: Also das ist aufgelegter Blödsinn. Der ORF muss unter die Kontrolle der Seher und Hörer kommen. Und da bin ich halt einer von ihnen – nicht mehr und nicht weniger.
NEWS: Die Synergieeffekte zwischen ORF und „Krone“ sind aber jetzt schon stark ausgeprägt.
Dichand: Sicher steht auch die Mehrheit des Personals des ORF hinter uns. Der Generalintendant Weis wird nun halt bedrängt, weil ihn der Schüssel nicht allzu sehr mag, das weiß man ja. Und die Freiheitlichen wollen jetzt auch ein Stückerl Einfluss beim ORF. Die sind in diesem Fall auch nicht anders als die anderen. Über das gute Verhältnis ORF – „Krone“ freue ich mich. Gerd Bacher seinerzeit zum Beispiel hat die „Krone“ ja nie gemocht. Wer im ORF damals auf seinem Tisch die „Krone“ liegen hatte, musste ja um seinen Job fürchten. Das hat sich unter Gerhard Weis geändert, wir arbeiten für beide Seiten vorteilhaft zusammen. Warum soll die „Krone“ nicht mit dem ORF korrekt kooperieren, das kann ja jede andere Zeitung auch.
NEWS: Gleichzeitig pflegt die „Krone“ auch ein gutes Verhältnis zum Privatsender ATV.
Dichand: Ich bin am Privatfernsehen nicht so interessiert, wie man es mir nachsagt. Aber natürlich beobachten wir die Entwicklung. Ich wünsche dem ATV, dass er die erste Privatlizenz bekommt. Und wenn die ATV-Leute dann an uns herantreten wegen einer Zusammenarbeit, werden wir uns das überlegen. In Wirklichkeit ist es so, dass uns unsere Feinde größer machen, als wir wirklich sind. Nur um sagen zu können: Ja, das darf ja nicht sein, dass der Dichand jetzt auch noch Fernsehen macht.
NEWS: Beispiel Temelin. Da endet die Macht der „Krone“ am Grenzübergang Wullowitz.
Dichand: Ja, natürlich. Andererseits öffnen sich mit dem Namen der „Krone“ sogar die Türen des Kreml. Das Putin-Interview ist ein Beispiel dafür. Da wäre ich sogar persönlich hingefahren, um mit ihm zu reden. Ich glaube auch ganz fest, dass eine große Chance für Österreich und Deutschland darin liegt, dass Putin so stark Richtung Westen schaut. Mit den Amerikanern wird er nicht klarkommen, und ich halte auch die amerikanische Politik für falsch, die Nato bis an die Grenzen Russlands heranzurücken. Das muss zwangsläufig gewisse Reaktionen auslösen. Ich glaube, dass Putin der richtige Mann für Russland ist, und ich freue mich, dass er Richtung Westen schaut.
Was Hans Dichand über journalistische Fehlschläge, über die Regierungsbildung, über Haiders Kanzlergelüste und über den Fortbestand seiner Krone denkt, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins NEWS.
