Mittwoch, 21. Februar 2001

FBI-Agent spionierte 15 Jahre für Russland!

Amerika bebt: Hat der "Maulwurf" seine Kollegen verraten? Seit 15 Jahren soll ein Anti-Terrorspezialist der Bundespolizei FBI für Russland spioniert haben - ihm wird vorgeworfen mehrere in US-Diensten tätige Doppel-Agenten enttarnt zu haben. Hochverrat - darauf steht die Todesstrafe.

Robert Philip Hanssen (56), Vater von sechs Kindern, wurde am Sonntag verhaftet. Laut FBI wollte er gerade vertrauliche Informationen in einem "toten Briefkasten" in einem Park ablegen. Außerdem wurden 50.000 Dollar Bargeld sicher gestellt - offenbar der Lohn...

Vor einem Bundesgericht in Virginia wurde unterdessen bereits Anklage gegen Hanssen erhoben. Präsident George W. Bush zeigte sich beunruhigt über den Fall, der von FBI-Chef Louis Freeh am Abend als "sehr gravierend" bezeichnet wurde.

Die Anklage, die am Dienstag vom Bundesgericht in Alexandria im US-Bundesstaat Virginia erhoben wurde, wirft dem FBI-Beamten Hanssen (seit 27 Jahren im Dienst der Bundespolizei) Geheimnisverrat an den früheren russischen Geheimdienst KGB und an dessen Nachfolge-Institution SVR vor. Hanssen habe dabei aus reiner Geldgier gehandelt. Der Verrat von mindestens zwei im US-Dienst stehenden russischen Doppelagenten und andere Tätigkeiten für die Russen hätten ihm insgesamt 1,4 Millionen Dollar (1,54 Mill. Euro/21,2 Mill. S) eingebracht. FBI-Chef Freeh sagte, der Verrat habe für zwei nach Russland zurückgekehrte Doppelagenten das Todesurteil bedeutet.

Freeh zufolge arbeitete der 56-Jährige seit 1985 praktisch ununterbrochen zunächst für den sowjetischen Geheimdienst KGB und danach für Russland. Eine interne FBI-Untersuchung hatte vor einigen Monaten eine undichte Stelle bei der Bundespolizei aufgedeckt. Die USA erhielten daraufhin auf geheimem Wege russische Dokumente, die den Verdacht dann auf Hanssen lenkten. Bis zur Festnahme arbeitete Hanssen im FBI-Hauptquartier in Washington. Dort war er den Angaben zufolge zuletzt für die Überwachung russischer Regierungsdelegationen zuständig. Hanssen beriet zudem das US-Außenministerium in Sicherheitsfragen. Bush sei über den Verdacht gegen einen FBI-Beamten sehr beunruhigt, sagte Bushs Sprecher Ari Fleischman. Freeh sagte, die Hanssen zur Last gelegten Taten seien mit die schwersten, die in einem Rechtsstaat begangen werden könnten.

Präsident George W. Bush kündigte am Dienstag eine entschlossene Verfolgung von Spionen an. Auch nach Ende des Kalten Krieges sei Spionage eine ernste Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA, sagte Bush vor Journalisten in Washington.

Justizminister John Ashcroft sprach von einem schweren Tag für das Bundeskriminalamt. "Hanssen war einer der Ihren, und er betrog sie und die Nation." Ashcroft wies darauf hin, dass geheimdienstliche Operationen gegen die USA heute so intensiv seien wie "eh und je". Der Minister versprach, dass Hanssen für seine Taten voll zur Rechenschaft gezogen werde. Im Fall der Verurteilung droht Hanssen die Todesstrafe. Im Juni 1997 war der FBI-Agent Earl Pitts wegen Spionage für Moskau zu 27 Jahren Haft verurteilt worden.

21.2.2001 13:30