Montag, 19. Februar 2001

Krisensitzung der jugoslawischen Führung

Jugoslawien hat eine "Reihe von Maßnahmen gegen den (albanischen) Terrorismus" angekündigt. Diese werden "selektiv" sein und sich "ausschließlich" gegen die Organisatoren und Vollstrecker des Terrors richten.

Dabei soll die Zivilbevölkerung "maximal" geschützt werden, so der jugoslawische Präsident Vojislav Kostunica.

Die gesamte Führung Jugoslawiens und Serbiens war in Belgrad zu einer Krisensitzung zusammengekommen. Anlass der Beratungen waren die beiden Anschläge albanischer Terroristen im Kosovo und im Süden Serbiens, bei denen am Freitag und Sonntag mindestens sieben Zivilisten und drei Polizisten getötet wurden.

Jugoslawien werde gemäß seiner "Friedenspolitik" eine energische diplomatische Aktion führen, um die Krise im Süden Serbiens und im Kosovo auf friedliche Weise zu lösen, vereinbarte die Staatsführung. Kostunica warf der Kosovo-Friedenstruppe KFOR und der UNO-Mission UNMIK vor, ihr UNO-Mandat nicht vollständig zu erfüllen.

An dem Treffen nahmen neben Kostunica auch Generalstabschef Nebojsa Pavkovic, die beiden Innenminister, Serbiens und Jugoslawiens Regierungschefs Zoran Djindjic und Zoran Zizic und auch der serbische Republikspräsident Milan Milutinovic teil.

Belgrad hat von der NATO eine Bekämpfung "des albanischen Terrorismus" im Kosovo verlangt und mögliche eigene Aktionen gegen die "albanischen Terroristen" angedroht. "Wir werden den Terroristen nicht erlauben, unsere Menschen wie Tontauben abzuschießen", sagte der jugoslawische Außenminister Goran Svilanovic.

Bei einem neuen Sprengstoffanschlag nur zwei Tage nach dem blutigen Attentat im Kosovo auf einen serbischen Buskonvoi kamen am Sonntag drei serbische Polizisten ums Leben. Die Beamten seien auf einer Straße unweit der Pufferzone zum Kosovo auf zwei Panzerminen gefahren. Am Abend griffen albanische Rebellen erneut serbische Polizisten an, die das am zerstörte Polizeifahrzeug bergen wollten. Die Rebellen hätten die Beamten aus Maschinengewehren und Granatwerfern beschossen, meldete die Nachrichtenagentur Beta unter Berufung auf Polizeiquellen vor Ort. Dabei wurde einer der Angreifer getötet und zwei verletzt, heiß es.

Erst am Freitag hatten Attentäter bei Podujevo einen serbischen Bus in einem fahrenden Konvoi in die Luft gesprengt und dabei sieben Menschen getötet. Der Anschlag wurde international in scharfer Form verurteilt. Der UNO-Sicherheitsrat in New York verlangte eine sofortige Untersuchung und Bestrafung der Täter. Aus Protest brachen die Serben in der Kosovo-Stadt Kosovska Mitrovica ihre Zusammenarbeit mit der Friedenstruppe KFOR und der UNO-Mission (UNMIK) ab.

19.2.2001 10:30